27. Mai 2015

Die kirchliche Hochzeit ist nur der Anfang


Unsere kirchliche Hochzeit war ein toller Startschuss in unser gemeinsames Leben. Was wir uns da versprochen haben, ist das Fundament unserer Beziehung.

Es ist vollbracht! Auch meine kleine Schwester ist jetzt unter der Haube! Vor einer Woche haben sich ihr jetziger Mann und sie das Ja-Wort gegeben und mit einem rauschenden Fest bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Und momentan genießen sie zwei Wochen lang Palmen, Sand und Meer an einem Ort, der mit „Male“ anfängt und mit „diven“ aufhört. Beneidenswert und wohlverdient! (Ich komme gar nicht auf die Idee, meine eigene Hochzeitsreise damit zu vergleichen, die war nämlich auch einmalig: fünf Tage Südtirol mit zwei lebenden Goldfischen im Gepäck, die uns Freunde als Hochzeitsgeschenk in der Wohnung hinterlassen haben).

Kirchliche Hochzeit: nicht Höhepunkt, sondern Startschuss

Die kirchliche Hochzeit meiner Schwester ist für mich ein Anlass, über meine eigene Trauung und die Ehe mit meinem Mann nachzudenken. Kaum zu glauben, dass wir schon seit fast sechs Jahren verheiratet sind! Der Tag unserer Hochzeit war wunderschön und aufregend. Aber ich habe ihn nicht als Höhepunkt unserer Beziehung verbucht und sehe ihn – so großartig alles war – nicht als schönsten Tag meines Lebens. Er war ein toller Startschuss in unser gemeinsames Leben, und das, was wir uns an diesem Tag versprochen haben, ist sozusagen das Fundament unserer Beziehung. Und an jedem Tag haben wir die Chance, das, was da grundgelegt wurde, zu entfalten und zu vertiefen. Zu diesem Fundament gehört für mich:

„Ich nehme dich an als meine Frau/als meinen Mann

Für mich bedeutete dieses Ja zum jeweils anderen eine ganz neue Qualität in unserer Beziehung. Mein Mann hat ganz offiziell und öffentlich und noch dazu vor Gottes Angesicht „Ja“ zu mir gesagt. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein „Schau’n wir mal, was es wird“ mehr, kein „Wir sind uns nicht ganz sicher“. Natürlich gibt’s für keine Ehe eine Garantie, aber dennoch: dieses Ja drückt aus, dass wir nach reiflicher Überlegung ganz bewusst und fest entschlossen in aller Freiheit den anderen als Mann/als Frau annehmen. Die Entscheidung ist fix und das trägt.

„Ich will dich lieben, achten und ehren

Ich habe meinem Mann damit nicht versprochen, dass ich mein Leben lang Schmetterlinge im Bauch haben werde, wenn ich ihn anschaue. Oder dass ich das starke Gefühl von Liebe und Zuneigung ununterbrochen spüren werde. Das kann ich gar nicht versprechen. Was ich gesagt habe, ist, dass ich ihn lieben WILL. Ich entscheide mich dazu – auch wenn er mich nervt (weil seine dreckigen Socken überall herumliegen), und er entscheidet sich dazu – auch wenn ich ihn nerve (weil ich mich schon wieder über die dreckigen Socken aufrege).

„Vor Gottes Angesicht“

Kirchlich zu heiraten bedeutet, sich Gott als Dritten in den Bund zu holen. Für mich ist das keine Floskel. Dass die Ehe ein Sakrament ist und Gott damit auf ganz einzigartige Weise anwesend ist, habe ich in den vergangenen sechs Jahren mehr als einmal deutlich gespürt. Denn herumliegende Socken, eine nörgelnde Ehefrau, unterschiedliche Vorstellungen über die Gestaltung des Wochenendes oder – bei uns ganz schlimm – zu wenig Zeit füreinander und so vieles mehr, führen immer wieder zu Konflikten. Manchmal auch zu solchen, in denen man den anderen kränkt, enttäuscht und die Situation plötzlich so verfahren wird, dass man nicht mehr raus kommt. Wenn mein Mann dann plötzlich doch liebevoll meine Hand nimmt, wenn ich mich dann doch bei ihm entschuldigen kann, dann merke ich hin und wieder ganz deutlich, wie Gott uns zu Hilfe gekommen ist. Er hat seine Gnade in unsere Verbitterung und unseren Zorn hinein geschenkt.

Sechs Jahre Ehe sind ja nun wirklich nicht viel bei all dem, was vermutlich noch kommen wird. Aber sie waren ein echt guter Anfang! Genauso wie die fünf Tage in Südtirol: nicht viel, aber perfekt waren, um zu entspannen und die kirchliche Hochzeit Revue passieren zu lassen. Und weil es dort wirklich schön ist, haben wir unsere beiden Goldfische gleich im hoteleigenen Teich gelassen.

Passend dazu: Was braucht es zum kirchlichen Heiraten?Zum Angebot Eheseminar der Erzdiözese Wien

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EIN ARTIKEL VON
  • Sandra Lobnig

    Seit ich Kinder habe, ist mein Leben schöner, erfüllter, spannender geworden. Und wahrscheinlich auch anstrengender. Ich bin Theologin und lese und schreibe über Ehe-, Erziehungs- und Glaubensthemen. Mit meinem Ehemann und unseren vier kleinen Kindern lebe ich in Wien.


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