10. Juli 2015

Warum Jawort vor dem Traualtar?


Entspricht das christliche Ehe-Ideal nicht mehr unserer Zeit? Warum noch das Jawort geben, wenn man sich vielleicht später doch wieder scheiden lässt?

Der Apostel Paulus sieht im Ehebund von Mann und Frau eine Ikone der Verbindung zwischen Christus und der Kirche: „Dies ist ein „sacramentum magnum“ schreibt er im Epheserbrief (Eph 5,32). Also ein großes Geheimnis des Glaubens und der Liebe. In der Tat spenden wir Ehepartner beim Jawort einander das Ehesakrament. Wie Christus die Kirche geliebt hat und sich für sie hingegeben hat, so sollen auch wir als Mann und Frau einander zugetan sein mit einer hingabebereiten, treuen und vor allem vergebenden Liebe. Darin liegt eine hohe Würde und eine große Berufung: die Liebe Christi abzubilden, sichtbar, konkret werden zu lassen in dieser Welt, als Familie und im Zusammenleben mit unseren Kindern.

Warum noch das Jawort geben?

Aber scheint dieses christliche Ehe-Ideal nicht weit entfernt von der Realität in unserer Zeit? Wie viele Ehen sind in Krise? Die klassische Rolle des Ehemanns und der Ehefrau und Mutter wird eher als „altmodisch“ angesehen und belächelt. Wenn man die Statistiken anschaut, scheinen die Fakten den Massenmedien recht zu geben. Die Zahl der Eheschließungen geht drastisch zurück, besonders was die kirchlichen Trauungen angeht. Nichteheliches Zusammenleben gilt als etwas ganz Normales. Warum schon das Jawort geben, wenn man sich möglicherweise später doch wieder scheiden lässt, was mit Gericht, Bürokratie und gewöhnlich mit viel Ärger verbunden ist. Oft bleibt davon nur ein Scherbenhaufen zurück. Ganz zu schweigen von den betroffenen Kindern als Scheidungswaisen.

Die christliche Ehe

Und doch! Wenn eine Lebensform Zukunft hat, dann ist es die christliche Ehe. Weil sie gegründet ist auf den Prinzipien der Treue, der Unauflöslichkeit und der Elternschaft. Weil sie ein Sakrament ist, wobei wir als Mann und Frau nicht nur aufeinander bauen, sondern auf Gott. Wo wir uns vor ihm verantwortlich wissen. Und dieses Fundament hält schon einiges aus. Weil wir unser Lebenshaus auf Fels gebaut haben. Da können auch Stürme schon mal daran rütteln. Es wird nicht einstürzen. Gott hat uns füreinander geschaffen. Ohne ihn sind wir atemlos und leer. In der Tat, für uns Ehepartner ist unser eigener gemeinsamer Lebensweg mit eingebunden in die „Liebesgeschichte“ zwischen Gott und dem Menschen, zwischen dem treuen und barmherzigen Herrn und der wankelmütigen und armseligen Menschheit. Durch die Wirkkraft vom Jawort sind wir als Mann und Frau gleichsam eingepfropft in den Strom der göttlichen Liebe, die Gott mit der Menschheit verbindet und die Christus mit seiner Kirche vereint.

Vielleicht müssen wir auch ab und zu ein Stück des Weges zurücklaufen. Dabei wissen wir: wenn wir Höhen erklimmen wollen, gibt es manche Trockentäler zu durchschreiten und Durststrecken zu bestehen. Manchmal liegt vor uns ein neuer Abschnitt des gemeinsamen Lebenswegs, auf dem unsere Liebe Gestalt annehmen will. Weil Jesus schon von Anfang an als unser Weggefährte mit uns gegangen ist, auch wenn wir es nicht bemerkt haben. Er wird stets an unserer Seite sein. Deshalb dürfen wir es wagen, mit Gottes Segen das Jawort zu geben und das gemeinsame Lebensabenteuer zu bestehen.


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EIN ARTIKEL VON
  • Karl-Heinz Fleckenstein

    Als ich das erste Mal 1981 eine Pilgergruppe ins Heilige Land führte, fand ich meine Ehefrau Louisa. Seit dieser Zeit führen wir gemeinsam Pilgergruppen auf die Spuren der Bibel. Als Theologe und Reiseleiter fand ich hier auch meine “wahre” Heimat.


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