8. April 2016

Ehe als Sakrament – heute noch lebbar?

Die Ehe als Sakrament leben - meinefamilie.at

Ist Treue bei allem Wunsch nach Individualität und Freiheit heute noch lebbar? Eine tiefgehende Beschreibung der christlichen Ehe und ihren Herausforderungen von Ida Friederike Görres.

Christliche Ehe heute zu leben ist sicher kein leichtes Unterfangen. Gerade der moderne Mensch legt viel Wert auf Freiheit der Entfaltung, auf Buntheit der Erlebnisse. Treue, so meint man oft, ist nur ein anderes Wort für Mangel an Phantasie oder Elastizität und hat in diesem Sinne an Bedeutung verloren. Eigene Interessen und Bedürfnisse stehen im Vordergrund.

Selbst in christlichen Kreisen wird manchmal mit Neid auf die „anderen“ geschielt, die sich über das Gesetz der Treue hinwegsetzen, in dem Bewusstsein, was für ein „Opfer“ man selbst der Tugend und Sitte doch bringt, indem man gehorsam auf die reichen Möglichkeiten verzichtet.

Unauflöslichkeit ist nicht gegen die Natur

Gerade auch die Unauflöslichkeit sei unnatürlich oder die Forderung, dass Ehe mit Fruchtbarkeit verknüpft sein müsse. Dabei wird vergessen, dass das Wort „Natur“ eine Vieldeutigkeit erlaubt und nicht nur für das rein Körperlich-Biologische steht. Ist der Mensch nicht „von Natur aus“ Geist, wie er Leib ist? Es ist die „Natur“, die Ehen sprengt – aber auch der menschliche Wille und Entschluss zur Treue ist Teil seiner Natur.

Die menschliche Natur ist eben vielschichtig, und die Christen wissen, dass auch eine gefallene, wenn auch eine erlöste Natur jene ist, die offen ist zu neuem herrlichen Einklang mit sich und erhoben zu Möglichkeiten über sich hinaus.

Gottesbeziehung spiegelt sich in Partnerbeziehung

Immer wieder wird behauptet, auch von neueren Dichtern und Philosophen, dass der Mensch das Absolute nicht erträgt, und am wenigsten in der Liebe. Hier wird deutlich, dass nur wirkliche Christen eine christliche Ehe leben können. Unser Leben mit Gott und unser Leben mit dem Zweiten sind kommunizierende Gefäße: Unsere Gottesbeziehung spiegelt sich in unserer Beziehung zum Partner.

So kann Ehe nur gelebt werden in der beständigen Haltung des Verzeihens und des Eingestehens von Fehlern.

Und in der Hoffnung, dass Gott die nötige Gnade zur Bereitschaft gibt, immer wieder umzukehren. Daher geschieht christliche Ehe in der Kirche, welche der Ort der Gnade ist. Die christliche Ehe ist das Sinnbild der Ehe Christi mit der Kirche, was auch tatsächlich so gemeint ist: Sie ist eingegliedert in den Leib der Kirche, in deren Gemeinschaft, was ganz konkrete Dinge bedeutet, wie Fragen der Wohnung, der Kinderhilfe, der Nachbarschaft usw.

Ehe braucht Gemeinschaft

Dieser Gemeinschaftsaspekt kommt zumindest bei uns leider oft zu kurz, wird aber angesichts einer gewissen Entchristianisierung der Gesellschaft immer wichtiger werden. Natürlich muss man daher in der christlichen Ehe mit aufkommenden Problemen oder Bedrohungen auf innerer oder äußerer Ebene rechnen. Das war immer schon so, aber vielleicht waren die Menschen früher allgemein bescheidener und gemeinschaftsorientierter.

Ehe als Sakrament: Zeichen der Liebe Gottes

Zuversichtlich stimmt die Tatsache, dass Gott die Ehe zum Zeichen Seines Neuen Bundes gemacht hat und dass die Liebe zwischen Mann und Frau das Vorzeichen der Liebe ist, mit der Gott die Menschen beschenken wird.

Diese Gedanken stammen von Ida Friederike Görres (aus: „Von Ehe und Einsamkeit“).

Weiterlesen
  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein

Ähnliche Artikel

EIN ARTIKEL VON
  • Gudrun Kugler

    Ich bin Juristin, Theologin und Mutter von vier Kindern. Im Wiener Landtag und Gemeinderat bin ich Politikerin, leite die Online-Dating-Agentur www.KathTreff.org für katholische Singles und bin Autorin von Büchern über Menschenrechte sowie Lebensfragen, z.B. „Niemand ist eine Insel – wie man den Partner fürs Leben findet“.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at