14. Juni 2015

Warum heiraten? Eine Liebesgeschichte


Ein junges Paar entscheidet sich für immer. Warum?

„Erzähl du, Amore. Die Lovestory“, Manu steht neben dem Sofa, schaukelt hin und her, auf seinem Arm Elias, sieben Wochen alt. Für die Schaukelvespa, die in der Ecke steht, ist er noch zu klein. Manu ist 30 Jahre alt und arbeitet für die Erzdiözese Wien als Online Plattform Manager. Kathi, 25 Jahre alt, ist Ergotherapeutin, aber zurzeit vollzeitbeschäftigt als Mami. Verheiratet sind die beiden seit drei Jahren. Ursprünglich kommt Kathi aus dem Geburtsort Mozarts und Manu aus dem Geburtsort Jesu, momentan aber leben die beiden in Wien, Geburtsort ihres ersten Sohnes.

Nicht einfach so zusammensein

Kennengelernt haben sie sich als Manu mit seiner Band, Cardiac Move, für ein Jahr nach Salzburg kam und Kathi noch in der Schule war. Aber da war noch nichts. „Also, sie ist mir schon damals aufgefallen“, wirft Manu dazwischen. „Ich hab mir gedacht, wow, wenn die mal älter wird!“. Ein, zwei Jahre später, nicht mehr Salzburg, sondern Wien. Kathi zieht in die damalige Band-WG ein, Manu zieht aus. Und weil die Band, hochmotiviert, praktisch jeden Tag probt, sehen sich Kathi und Manu praktisch jeden Tag. „Da ist er immer vorbeigekommen an meinem Zimmer, hat angeklopft. Und so haben wir uns immer besser kennen und lieben gelernt“, Kathi lächelt. „Da hast du mir die Haare geschnitten. Mein erster Iro!“ „Hat aber ganz gut ausgeschaut, eigentlich.“ Neun Monate später, in Medjugorje, wird heimlich ein Verlobungsring gekauft. Ja, lange zusammen waren sie da noch nicht. „Verlobung war aber für uns jetzt nicht: Hochzeitstermin fixieren und heiraten, sondern einen Schritt weiter in der Beziehung gehen.“ Dass sie nicht einfach so zusammen sein wollen, das war eine Entscheidung, die sie schon viel früher getroffen hatten. „Wir wären die Beziehung nicht eingegangen, wenn wir uns den anderen nicht als Partner fürs Leben vorstellen hätten können.“

Immer in der Hosentasche, wartet der Ring also auf den richtigen Moment. Maria Plain, Panoramablick über Salzburg. „Gerüstet mit weißem Kitkat, Red Bull und Musik von Snow Patrol hab ich sie dann mit großem Herzklopfen gefragt und sie hat Ja gesagt. Auf dem Rückweg haben wir uns bei der Tankstelle eine Flasche Champagner gekauft.“

Die Freunde sind verwundert: Warum heiraten?

Während sich die Familie über die bevorstehende Hochzeit freut, überwiegt im Freundeskreis erst einmal Verwunderung. „Bei den Freunden, Studienkollegen, war es schon auch immer so: Was, bist du sicher?!“, weiß Manu noch. Ein willkommener Anlass, um Diskussionen zu führen. „Im Endeffekt war´s dann immer so, dass sie doch auch irgendwie diesen Wunsch hatten, sich für einen Menschen zu entscheiden. Das ist mir halt so vorgekommen.“ Dass es möglich ist, so eine Beziehung zu führen, das haben eigentlich alle Freunde und Bekannte dann schön gefunden. Verzagt zeigt unsere Zeit schließlich weitgehend andere Bilder. Von geschiedenen Ehen und wackeligen On-Off-Beziehungen, bei denen man sich davor schützen muss, nicht verletzt zu werden.

„Natürlich finden es viele verrückt zu heiraten. Das ist so eine gängige Einstellung bei uns, wo man sich alles offen lassen möchte. Man will sich nicht fixieren. Man verdirbt sich den Spaß, wenn man sich für eine Person entscheidet. Normalerweise ist man mit jemandem zusammen, solange die Schmetterlinge im Bauch sind, solange das Gefühl passt. Wir haben aber gemerkt, dass Liebe eigentlich nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem eine Entscheidung ist. Wenn man sich für einen Menschen entscheidet, in guten und schlechten Zeiten, dann ist das eigentlich der größte Liebesbeweis. Dass man zu dem Menschen steht und ihn nicht nur um sich haben will, wenn es grad nett ist. Die Liebe ist in dieser großen Entscheidung, die man trifft.“ Was Manu und Kathi hilft, die Entscheidung, die sie einmal getroffen haben, auch tatsächlich dann tragen zu können ist ihr Glaube, den sie teilen. Dieses Teilen, das ist es eigentlich auch, was es so besonders macht verheiratet zu sein. „Man teilt alles. Das ist eigentlich das Schönste. Es gibt nichts Schöneres, als wenn man etwas teilen kann. Man teilt die Freude, aber auch das Leid, die Zeit.“ „Du hast meinen Gedanken gestohlen. Wieder einmal. Das macht er öfter.“

Gemeinsame Geschichten und Abenteuer

Ein Beduine, der auf einmal hinter einem steht, während man sich über die qualmende Motorhaube seines Autos beugt, mitten im Nirgendwo der palästinensischen Wüste, und sich als Mechaniker zu erkennen gibt. Geschichten wie diese können Manu und Kathi mehrere erzählen. „Alle Geschichten, Abenteuer, erlebt man nicht mit irgendjemandem, sondern mit seiner besseren zweiten Hälfte! Das ist eben das Coole, dass man zu zweit zurückschauen kann auf das, was man schon erlebt hat, sich erinnern und gleichzeitig freuen kann, auf das, was noch kommt.“

Was fast überstürzt aussieht, zeigt sich bei näherer Betrachtung als wohl überlegt. Nachdem sie sich verlobt haben, nehmen sich Manu und Kathi zwei Jahre Zeit. Um sich bewusst damit auseinanderzusetzen, was es bedeutet, Mann und Frau zu werden, sich noch tiefer kennenzulernen. „Jeden Schritt, den wir getan haben, das Zusammenkommen, das Verloben, das Heiraten, das war alles einfach genau richtig so. Und nach jedem Schritt konnte ich mir nachher nicht mehr vorstellen, wie es davor war. Genauso wenig kann ich mir jetzt ein Leben ohne den Kleinen vorstellen. Wir schlafen wenig, kommen zu viel weniger… Ich war heuer noch gar nicht Wakeboarden und es ist schon Juni! Aber mir geht das überhaupt nicht ab!“ Elias beginnt zu weinen. „Oh, das hast du verstanden. Wir gehen mal gemeinsam!“ Ein Vater-Sohn-Versprechen.

„Das Leben vor der Ehe ist kein Vergleich“

„Durch die Hochzeit hat sich unser Leben ziemlich komplett verändert. Eigentlich alles auf den Kopf gestellt, das ganze Leben.“ Schon allein das Zusammenziehen war eine Umstellung. Denn bis zur Hochzeit haben die beiden noch in getrennten Wohnungen gelebt. Weswegen auch viele Freunde skeptisch waren. Was, wenn er immer die Zahnpasta herumliegen lässt oder den Klodeckel nie zumacht? Kathi lacht. „Wenn man das größere Bild sieht, dann bleiben solche Dinge eine Kleinigkeit.“ Nicht die Zahnpasta und auch nicht der Klodeckel sind die Kriterien, nach denen sie ihre Entscheidung treffen wollten. „Das Leben vor der Ehe, das ist irgendwie kein Vergleich, kann nicht mithalten. Wirklich, ab dem Tag wo es losgegangen ist, das gemeinsame Eheleben, da hat das Leben erst richtig begonnen.“ „Und das ist die Frucht“, Manu deutet auf Elias, der nun zufrieden vor sich hin brabbelt. „Das Früchtchen“, ergänzt Kathi.

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EIN ARTIKEL VON
  • Anna Platter

    Seit 2012 bin ich glücklich und immer noch frisch verheiratet und lebe in Wien. Ich bin Mutter von zwei kleinen Männern, die meinen Alltag auf den Kopf stellen. Wenn die beiden Kerle schlafen, schlafe ich meistens auch. Wenn ich doch nicht schlafe, ist das eine gute Gelegenheit, meiner vernachlässigten Schreibertätigkeit nachzugehen.


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