10. Juli 2015

Liebesgeschichte mit Umwegen


Jede Liebesgeschichte hat einen Anfang und ihren eigenen Weg. Von verliebt, verlobt, getrennt, über Umwege dann doch bis zum großen Glück.

Wir treffen Raphael, den Geographen, und Elizabeth, hochschwanger, im Urlaub in Kroatien. Sonst hätten wir nach Salzburg fahren müssen und dort regnet es bekanntlich öfter als an der Adria. Im Koffer packen sind Raphael, 27, und Elizabeth, 31, außerdem mittlerweile schon ziemlich geübt. Seit ihrer Hochzeit vor zwei Jahren sind sie bereits dreimal umgezogen und sobald ihr erstes Kind geboren ist, wollen die beiden nach Neuseeland auswandern.

Jede Liebesgeschichte hat einen Anfang

Am Anfang dieser Liebesgeschichte stehen zwei junge Studenten, die es lieben, miteinander Diskussionen über Gott und die Welt zu führen. „Wir haben uns immer recht lange unterhalten und Elizabeth hat mich einfach fasziniert, weil sie so anders war als ich – ihre Perspektiven, ihre Gedanken. Das war eine ganz neue Welt für mich.“ Was dann entsteht, nennen die beiden ganz einfach eine kontinuierliche Entwicklung ihrer Freundschaft.
„Für mich war es ganz wichtig, dass ich durch Raphael Christus und den Glauben besser kennengelernt habe. Das war wie so eine Tür die aufgeht. Ich hab immer geglaubt, dass man ganz viel Strenge braucht, auch im Glauben. Aber Raphael hat die Sachen einfach immer aus Liebe gemacht und das hat ihn zum Beispiel auch motiviert, um fünf in der Früh aufzustehen und zur Rorate zu gehen.“
Es stimmt schon. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. „Man stellt sich als Jugendlicher oft vor, welche Frau man kennenlernen wird, aber es kommt immer anders. Und das ist gut. Es geht darum, die andere Person anzunehmen, auch mit allem was vielleicht nicht meinen Vorstellungen entspricht. Aber was ziemlich wichtig ist, ist, dass man den anderen in seiner Andersartigkeit nicht nur akzeptiert und toleriert, sondern wirklich liebt dafür, wie er eben ist.“ Das ist also das Geheimrezept ihrer Liebesgeschichte, denn Raphael und Elizabeth ergänzen sich wirklich außerordentlich gut.

Verliebt, verlobt, getrennt

Diese Liebesgeschichte war nicht immer nur eitel Sonnenschein. Der Hochzeitstermin steht, die Gäste sind eingeladen, da ist sich Raphael auf einmal nicht mehr so sicher. „Für mich war es wichtig, die Sicherheit im Herzen zu haben, dass das richtig ist, was wir tun, und die habe ich einfach nicht gehabt. Das ist für einen Mann sehr wichtig sich die Freiheit zu nehmen auf sein Herz zu hören, um dann auch eine richtige Entscheidung zu treffen.“ Die Hochzeit wird abgeblasen, eine Liebesgeschichte zu Ende. Obwohl sie es erst noch versuchen, müssen sie bald einsehen, dass es keinen Sinn mehr hat die Beziehung weiterzuführen. Es folgt eine monatelange Funkstille. Bis Elizabeth sich auf einmal hilfesuchend an Raphael wendet.
„Das war so ein Punkt, wo ich auch dem Glauben den Rücken gekehrt hatte. Und irgendwann hab ich mir gedacht, okay, das Leben ist eine Sackgasse. Eine dead end street. Ich hab diese tolle Wohnung, diesen tollen Job, ich könnte mir jederzeit alles kaufen, aber trotzdem macht nichts mehr Sinn.“ Kurzerhand erstellt Raphael eine Liste für Elizabeth, ein Verändere-dein-Leben-Programm, now! Zieh aus deiner Wohnung aus und verkaufe alle deine Möbel! Beichte! Bete regelmäßig! Such wieder nach einer katholischen Gemeinschaft! Als eine Art Begleitung von der Ferne, beschreibt Raphael die folgende Zeit. „Und da konnte ich auf einmal beobachten, wie drastisch sich Elizabeths Leben veränderte. Es gab eine faszinierende Schönheit, die in Elizabeths Leben plötzlich zum Ausdruck kam. Es war unglaublich. Sie war ein bisschen gestorben gewesen und begann auf einmal mit Jesus neu aufzustehen.“

Wie sich alles zum Guten wandte

„Es war irgendwie so, als ob Gott mein Freund war, also wirklich so mein fixer Freund, mit dem ich geh. Es gab lauter Kleinigkeiten, wo ich gemerkt hab, dass Gott sich um mich kümmert!“ Wohnung, Fahrrad, jedes Mal wenn Elizabeth in der Anbetung um etwas bittet, bekommt sie genau das geschenkt, was sie braucht. Langsam, aber doch, nähern sich Raphael und Elizabeth einander wieder an und ihre Liebesgeschichte findet eine Fortsetzung. Als sie wieder zusammenkommen, ist es eigentlich klar, dass sie heiraten wollen – fast! „Ich hab mir noch immer wirklich schwer getan, mich endgültig zu entscheiden, weil ich jemand bin, der sich gerne alle Möglichkeiten offen lassen möchte“, Raphael lächelt. „Wir hatten ein Gespräch mit einem bekannten Priester und er hat mir gesagt, Raphael hab keine Angst! Das hat mich so getroffen. Ich hatte auf einmal einen echten Frieden, mich zu entscheiden und dann kam eine große Freude. Das war für mich sehr wichtig, diese Erfahrung der Freiheit zu machen. Ich bin wirklich frei und Gott respektiert meine Freiheit. Und wenn ich mich entscheide, dann segnet er das mit Freude. Das hab ich stark gespürt.“ Die Zeit bis zur Hochzeit leben die beiden mit einer etwas ungewohnten Entscheidung. Kein Kuss bis zum Jawort. „Das hat uns sehr geholfen. Weil man sich dann anders in der Liebe ausdrücken muss. Kreativ zu sein im Ausdruck der Liebe, das war eine gute Vorbereitung.“ Gebeutelt, geprüft, entsteht eine Beziehung, die mehr Tiefe hat als die davor.

Der Unterschied?

„Gott war jetzt einfach in der Mitte unserer Beziehung und das hat sich menschlich extrem krass ausgedrückt.“ Völlig gelassen sein zu können, weil man die Gewissheit hat, dass alles gut wird. „Früher wollte ich immer meinen Willen durchsetzen und alles genau so haben, wie ich es mir vorstellte. Und auf einmal war mir das nicht mehr so wichtig“, meint Elizabeth. „Ich wollte eigentlich gar keine Vorstellungen mehr haben. Das war so befreiend. Ich konnte alles einfach aus der Hand geben und dem anderen viel mehr Vertrauen schenken.“ Diese Veränderung wäre sogar physisch bemerkbar gewesen. „Elizabeth war für mich auf einmal viel schöner als früher, einfach durch diese Freude, die sie ausgestrahlt hat, diese Freiheit im Inneren.“
Hätte das denn nicht schon gereicht? Die Beziehung, die sie erreicht hatten, war das nicht schon genug? „Verheiratet zu sein, ist trotzdem noch etwas vollkommen anderes. Durch die Ehe sind wir echt zusammengewachsen, ich würde sagen, wir sind ein neues Wesen geworden. Am Anfang ist das noch ein bisschen holprig, das Einswerden. Aber man merkt echt, dass man eins wird.“ Es ist vielleicht auch dieses Ewige, das alles verändert. „Ich zähle nicht mehr, wie lange Raphael mit mir Zeit verbringt, ich schau nicht in die Vergangenheit, ich weiß ganz einfach, dass es ist.“
Raphael und Elizabeth wollten einfach das Größte machen, das ihnen möglich ist. Jeder Mensch sehnt sich nach Größe. Etwas Großes zu erreichen. „Bei der Hochzeit entscheidet man sich in Freiheit für die Hingabe und das ist das Größte, wozu ein Mensch fähig ist. Deswegen soll man eine Hochzeit auch ordentlich feiern.“
Es gibt noch eine Frage, die haben wir bis zum Schluss aufgehalten, denn sie ist schwer zu beantworten. Die Luft riecht nach Meer und der Himmel strahlt, wie ein kleines Kind beim Geschenkeauspacken.

„Was ist denn Liebe für euch?“

Elizabeth: „Ich hab das Gefühl, man muss permanent lernen, wie man liebt. Es reicht nicht, ein Mal zu sagen, okay ich weiß, wie man liebt, das steck ich in meine Tasche und packe es aus, wenn ich es brauche. Sondern, dass jede Tat der Demut wieder eine Lektion in der Liebe ist und jede Tat der Annahme.“
Raphael: „Ich würde sagen, Liebe ist geben und annehmen. Elizabeth hat einen Körper und eine Seele und diese Seele find ich sehr spannend. Denn auch die kann man lieben. Alles, was sie denkt und ist, ihr Sein, einfach lieben und annehmen. Und deswegen ist es egal, was passiert im Leben. Mir ist ziemlich klar, dass ich, egal was passiert, Elizabeth mit Gottes Hilfe lieben werde – für immer.“

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EIN ARTIKEL VON
  • Anna Platter

    Seit 2012 bin ich glücklich und immer noch frisch verheiratet und lebe in Wien. Ich bin Mutter von zwei kleinen Männern, die meinen Alltag auf den Kopf stellen. Wenn die beiden Kerle schlafen, schlafe ich meistens auch. Wenn ich doch nicht schlafe, ist das eine gute Gelegenheit, meiner vernachlässigten Schreibertätigkeit nachzugehen.


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