29. Mai 2018

Warum vorschneller Trost keine gute Lösung ist

ist ja nicht so schlimm - meinefamilie.at

Was tun bei kindlichem Missgeschick? Schimpfen oder trösten? Warum vorschneller Trost keine gute Lösung ist, erfahren Sie in nachfolgendem Fallbeispiel.

Tim, 4, hat versehentlich den Porzellanvogel vom Regal geschmissen und ihn kaputt gemacht. Er läuft heulend zur Mutter. Beschwichtigend meint sie: „Ist ja nicht so schlimm. Mach dir nichts daraus!“ Tim: „Aber der war sooo schön! Huuhh!“ Mutter: „Wir kaufen dir einen neuen!“ Je mehr die Mutter versucht, ihn zu trösten, umso mehr steigert sich Tim in hysterisches Geheul hinein. Was geht in ihm vor?

In bester Absicht hat die Mutter versucht, Tim seine Gefühle auszureden, sie also völlig ignoriert. Für ihn IST es aber schlimm! Und sie behauptet das Gegenteil! Wären nicht auch Sie wütend? Da Tim keine emotionale Entlastung bekommt, kann er sich auch nicht beruhigen. Paradox: Trost macht wütend!

Gefühle ernst nehmen statt vorschnell trösten

Tim hat das Bedürfnis, dass seine Gefühle akzeptiert werden. Aktives Zuhören ist gefragt: „Du bist aber traurig, weil dir das passiert ist…!“ Allein so ein Satz bewirkt seelisches Aufatmen. Tim kann bestätigen: „Ja!“ Nun will er alles loswerden: „Das war mein Lieblingsvogel!“ Es hilft, wenn die Mutter Interesse zeigt: „Wie ist denn das passiert?“ und nochmals mit aktivem Zuhören reagiert: „Du bist traurig und ärgerlich zugleich…“ So kann er auch erkennen, was er falsch gemacht hat. Dann kann sie Tims Blick in Richtung Lösung lenken: „Was kannst du jetzt tun?“ Tim: „Hilfst du mir, ihn zu kleben?“ Oder: „Bekomme ich einen neuen?“ Oder einfach: „Schade. Das war wirklich ein schönes Stück.“

Die Lösung kann auch darin bestehen, dass es keine Lösung gibt. Tim muss sich einfach damit abfinden. Auch der Griff zum Besen ist pädagogisch wertvoll. So kann sich Tim beruhigen und Verantwortung übernehmen, denn die Mutter vermittelt: „Ich trau dir was zu!“ Es darf auch getröstet werden: aber zum richtigen Zeitpunkt.

Erziehung zur Unachtsamkeit

Andere Kinder nehmen Mamas Trost gerne an, gehen wieder spielen und hinterlassen der Mutter den Scherbenhaufen. Auch diese Reaktion ist nicht wünschenswert, da sie zur Unachtsamkeit erzieht. Alles ist schnell ersetzbar, nichts hat Wert. Wozu achtgeben?

Das andere Extrem: überzogene Strafen

Das andere Extrem kennen manche noch aus alten Zeiten, wo kindliches Missgeschick oft mit harten Zurechtweisungen oder überzogenen Strafen quittiert wurde.

Kinder emotional entlasten und einladen, Verantwortung zu übernehmen

Es ist gut, wenn wir Kindern vermitteln: „Wir sind für dich da und wir trauen dir was zu. Wenn dir ein Missgeschick passiert, ist es kein Drama, aber sei ehrlich und übernimm die Verantwortung!“

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