6. September 2016

In der Familienberatung als Jurist und Mediator – (k)ein Widerspruch?

Mediator in Familienberatung - meinefamilie.at

In der Familienberatung braucht es juristische Beratung und Mediation. Was unterscheidet diese beiden Säulen und worum geht es dabei?

Ich bin Jurist. Und ich bin Mediator. Von Herzen und voller Begeisterung. Doch wie passen diese Tätigkeiten zusammen? Vor allem, wie passen sie zum Wohl der Klienten zusammen, die entweder über die Familienberatungsstelle Purkersdorf oder über www.mediation-wanderer.at zu mir kommen?

Freilich, vom Juristen erwarten die Klienten konkrete Aussagen, insbesondere Tipps und Unterstützung basierend auf dessen Erfahrung. Hier erhalten die Menschen Unterstützung bei komplizierten Fragen zu Lebensgemeinschaft, Verlobung, Fragen während der aufrechten Ehe sowie bei allfälligen Krisen derselben. Immer mit dem obersten Ziel, die Hoffnung in oft aussichtslosen Situationen wiederzufinden, erhalten die Klienten der EFL-Beratungsstelle Ratschläge, wie vordergründig aussichtslose Konflikte zum Wohle aller Betroffenen doch gelöst werden können.

Dabei geht es nicht zwingend primär um Rechtsansprüche und Klagsgründe, sondern viel mehr um konsensorientierte Argumentation.

Vor allem wenn Kinder von den innerfamiliären Konflikten betroffen sind, gewinnt diese am „grünen Zweig“ orientierte Beratung an Bedeutung.

Das Recht und die Richter kennen

Mit dem Wissen um die juristische Praxis können diese Fragen auch kompetent beantwortet werden. Die aktuelle Rechtsprechung fließt ebenso in die Beantwortung der gestellten Fragen ein wie das Wissen um die Meinungen der Entscheidungsorgane. Schließlich sind auch die Richter, die über Klagen und Anträge entscheiden, Menschen, die eine persönliche Wertesicht haben. Umso dienlicher ist es der Sache an sich, wenn die Erfahrung des Beraters den Klienten ermöglicht, ihre Anträge auch dergestalt zu formulieren, dass das Gericht sie unwidersprochen annimmt. Freilich, selbst wenn der Großteil der Fragen beantwortet werden kann, muss manches Mal muss schon aufgrund einer Anwaltspflicht auf ebendiese verwiesen werden. Wird beispielsweise ein erstinstanzliches Urteil angefochten, so besteht in der zweiten Instanz Anwaltszwang. Hier hält sich auch der Beratungsjurist in der Regel zurück, um zu verhindern, dass der Klient von einer möglicherweise abweichenden zweiten Meinung verunsichert wird.

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Gesprächsbasis geht vor

Doch, insbesondere beim heiklen Bereich des Familienrechts, hier wiederum im Bereich des Scheidungsrechts, gilt: Die Privatautonomie hat Vorrang. Es ist wichtig, dass die Parteien ihre Zukunft selber zu regeln versuchen.

Nicht ohne Grund werden über 85% aller Scheidungen einvernehmlich, also grundsätzlich ohne Anwalt durchgeführt.

Hier reicht eine existente Gesprächsbasis zwischen den Ehepartnern, um zum eigenen, wie auch zum Wohle der Kinder zu einem Ergebnis zu kommen.

Mediation löst den Tunnelblick

Gerade im Bereich des Familienrechts ist Mediation eine wichtige Stütze für jene, die sich in scheinbar aussichtslosen Problemen befinden. Im höchstpersönlichen Konflikt entsteht gerne ein gewisser Tunnelblick, welcher oft naheliegende Lösungen der Probleme in weite Ferne zu rücken scheint. Oftmals sind auch jene Fragestellungen, die den offiziellen Grund für die Kontaktaufnahme mit dem Mediator bilden, nur Türöffner für tieferliegende Probleme auf der Beziehungsebene. Gibt es den Vorwurf der Lieblosigkeit, so versteckt sich dahinter oft der Wunsch nach Gehör und Zuwendung, bei grundloser Eifersucht der Wunsch, wieder begehrt zu werden und vieles mehr. Weswegen die Menschen zu uns kommen ist wichtig, aber nicht ausschließlich relevant. Jeder Satz, jede Bewegung, der Atemzug kann einen wichtigen Hinweis auf die tatsächlichen Probleme der Medianden und Klienten geben. Löst sich beispielsweise beim Thema „Haus“ die bis dahin verkrampfte Körperhaltung der Ehefrau, so könnte dies darauf schließen, dass das Problem der Ehe mit dem gemeinsamen Wohnsitz zu tun hat. Möglicherweise wiegt die finanzielle Belastung schwer, der Streit über die Haushaltsführung vergiftet den Alltag oder andere noch unausgesprochene Konflikte brodeln unter der Oberfläche.

Mediatoren blicken auf tieferliegende Probleme

Das ist der Unterschied: Beratungs-Juristen beantworten die gestellten Fragen, Mediatoren achten auch auf die ungestellten.

Ziel einer Mediation sollte es nicht primär sein, möglichst flott zu einer Einigung zu kommen, sondern in gründlicher Arbeit mit den Medianden einen Konsens zu finden, der über die Jahre hin auch allfälligen Bewährungsproben standhält. Persönlich gehe ich dabei davon aus, dass sich alle potentiellen Probleme bereits in der Gegenwart abzeichnen, so man die Gestik und Mimik der Medianden richtig zu deuten weiß. Die „Wunderfrage“, wie sich die Mediation aus dem Blickwinkel des Jahres 2019 anfühlt, wirkt zwar auf den ersten Blick seltsam – und genau das soll sie auch sein – doch sobald sich die Medianden auf dieses Gedankenspiel einlassen, treten gleich einem Röntgenbild allfällige Sollbruchstellen hervor.

Wenngleich freilich die Mediatorische Ethik gebietet, den Medianden keine Hindernisse in Form von gut gemeinten Ratschlägen in den Weg zu legen, sondern nur an ihren persönlichen Themen arbeiten zu lassen, so ist der Mediator freilich auch dem Ergebnis selber verpflichtet. Manchmal braucht es hier die nötige juristische Fachkenntnis und vor allem Erfahrung, um gemeinsam mit den Medianden auch ein Ergebnis zu erarbeiten, das nachhaltigen Wert hat.

Siehe auch Ulrich Wanderers Buch „Mediation ist Do it Yourself“

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