31. Mai 2018

„Familie ist essentiell in unserer Gesellschaft.“

Familienministerin - Juliane Bogner-Strauß - meinefamilie.at

Familienministerin Dr. Juliane Bogner-Strauß sprach mit uns sehr persönlich über Ihr Familienleben und die Wertigkeit der Familie in der Gesellschaft, die Herausforderungen über Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie über jene politischen Anliegen, die ihr besonders am Herzen liegen.

Sie waren immer im Berufsleben, jetzt sind Sie sogar Ministerin für Frauen, Familie und Jugend. Dabei pendeln Sie zwischen Ihrem Wohnort Graz und der Bundeshauptstadt Wien – wie vereinbaren Sie bei diesen Anforderungen Familie und Beruf?

Für mich ist dies nichts Neues, bereits als Wissenschaftlerin war ich international viel unterwegs beispielsweise auf Konferenzen, oft auch zwei Wochen am Stück. Auch mein Mann arbeitet in einer Firma mit vielen internationalen Konferenzen und Kooperationen. Wir haben uns dies immer schon sehr gut eingeteilt, beispielsweise im Vorfeld Termine abgesprochen.

Wie lösen Sie dies mit Ihren Kindern?

Die Kinder sind in Ganztagesbetreuungen, außer der Größte, der ist schon alt genug (lacht). Meine Tochter ist auch nicht jeden Tag in Betreuung, sie ist mit fast 10 Jahren sehr selbstständig, und der Kleinste geht noch in den Kindergarten. Wir haben Gott sei Dank ein tolles Familiennetzwerk und ein sehr gutes Netzwerk aus der Schule und dem Kindergarten, in dem sich die Familien gegenseitig unterstützen. Dies funktioniert eigentlich wunderbar.

“Kinder sollten immer Elternarbeit sein und nicht an einer Person hängen bleiben.”

Dr. Juliane Bogner-Strauß

Was das Pendeln angeht, ist es so, dass ich meist 2 bis 3 Nächte auswärts bin und die restliche Zeit pendle ich. Das klappt ausgezeichnet, ich kann im Auto arbeiten, Telefonate führen. Es hat schon unser ganzes Leben so funktioniert, wir haben 20 Jahre Erfahrung darin.

Thema Karenz: Spätestens in der Schwangerschaft des ersten Kindes überlegen Paare, wie sie sich die Elternzeit aufteilen. Oft ist dies auch einfach eine wirtschaftliche Entscheidung. Wie haben Sie dies als Familie gelöst?

Für uns war es immer ganz klar, dass wir uns dies aufteilen und es wurde auch im Vorfeld abgesprochen. Es ist ganz wichtig, dass sich Paare hier im Klaren sind, wie sie die Kinderbetreuung aufteilen und wie beide Elternteile die Kinderbetreuung wahrnehmen. Denn wie ich schon gesagt habe, ist Kindererziehung immer Elternarbeit und diese sollte nicht an einer Person hängen bleiben.

Familienministerin Dr. Juliane Bogner-Strauß im Gespräch mit Viktoria Stöckl.

Wir haben in Österreich ein großzügiges System mit dem Kinderbetreuungsgeld, man sieht es auch daran, dass die Väterbeteiligung in den letzten Jahren gewachsen ist. Ich würde es fast als Ausrede bezeichnen, dass es ein Gehaltsthema ist. Es gibt diesen Gender-Pay-Gap vor dem ersten Kind kaum, dieser tut sich ja erst nach dem ersten Kind auf. Ich glaube, es gibt so viele Möglichkeiten, dass sich beide Elternteile um die Kinder kümmern.

Ich habe immer sofort wieder in Teilzeit zu arbeiten begonnen, für mich war das ganz wichtig. Ich hätte es mir nicht vorstellen können, dass ich die ganze Zeit zuhause gewesen wäre. Aber dies soll sich jeder und jede selbst aussuchen. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, auch wenn es manchmal sehr anstrengend war, die Kinder und die Arbeit zu vereinbaren. Für mich war es die beste Lösung, auch für mein Selbstwertgefühl.

Welche Wertigkeit hat Mutterschaft für Sie und wie kann man der Mutterschaft mehr Wertigkeit zurückgeben?

Ich möchte dies nicht auf Mutterschaft herunterbrechen. Eltern sollten eine Wertigkeit haben. Es muss genauso für die Väter eine Wertigkeit haben wie es für Mütter eine hat. Von den Müttern wird es erwartet. Denn wenn wir Mütter sagen, wir wollen gleich wieder zu arbeiten beginnen, dann werden wir oft kritisiert dafür und bei den Vätern ist dies ganz normal. Ich wünsche mir, dass dies in den nächsten Jahren so wird wie es bereits in vielen Ländern in Europa ist, dass es für beide Elternteile dieselbe Wertigkeit hat.

“Familie ist essentiell in unserer Gesellschaft.”

Familienministerin Juliane Bogner-Strauß - meinefamilie.atWorauf sind Sie als Elternteil besonders stolz?

Wir leben unseren Kindern vor, wie wir Elternsein mit unserem Beruf in Einklang bringen  und uns dennoch sehr viel Zeit für unsere Kinder nehmen. Ich glaube, es geht um die Qualität der Zeit, die man mit seinen Kindern verbringt, und nicht um die Quantität. Diese Werte, die für uns wichtig sind – soziales Miteinander, Toleranz, Aufmerksamkeit – diese Werte unseren Kindern mitzugeben ist uns das allerwichtigste.

Am 15. Mai war Internationaler Tag der Familie – wie lautet ihre Botschaft für diesen Tag und wie wichtig ist dieser Tag für die Gesellschaft?

Ich finde Familie ist ganz essentiell für die Gesellschaft. Familie bedeutet Zusammenhalt, ein aufeinander Acht geben. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag der Familie im Jahr 1993 nicht umsonst ausgerufen.

“Ich habe immer sofort wieder in Teilzeit zu arbeiten begonnen, das war für mich ganz wichtig.”

Gab es einen familiären Fauxpas in Ihrem Familienleben, an dem Sie sich mit einem Schmunzeln zurückerinnern?

Es gab schon lustige Aktionen! Wir haben beispielsweise als Kinder ein Kindermotorrad hinter dem Rücken unserer Mutter geschenkt bekommen. Wir sind drei Kiddys und zu Ostern stand plötzlich ein kleines Kindermotorrad im Hof. Und meine Mutter war natürlich fürchterlich empört, wie mein Vater für die Kinder so ein kleines Motorrad für den Garten besorgen kann. Aber mein kleiner Bruder war noch empörter und sagte: „Wos, nur ans?!“ Weil wir eben zu dritt waren und der Kleinste war total enttäuscht.

Abschließend: Welches Thema liegt Ihnen in der Umsetzung als Familienministerin besonders am Herzen?

Es gibt nichts Wichtigeres als die Familie. Daher werden ganze zehn Prozent des Bundesbudgets in Leistungen wie Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Familienbonus Plus, Schulbücher und den Ausbau der Kinderbetreuung investiert. Mir liegt vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf am Herzen und damit auch das Thema Ausbau der Kinderbetreuung. Dies ist ein essentieller Punkt, um es Familien zu erleichtern, dass beide Elternteile sowohl Elternarbeit übernehmen, aber auch wieder in die Arbeit relativ schnell zurückfinden.

 

Wir danken für das Interview!

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