18. Januar 2016

„Bei Beziehungsproblemen kommen Paare spät“

Eheberatung - meinefamilie

Ulrike Barta arbeitet seit 19 Jahren als Beraterin für Familien, Paare und Einzelpersonen. Bei der Familien- und Eheberatungsstelle auf.leben unterstützt sie Menschen in schwierigen Lebensphasen. Paare kämen bei Beziehungsproblemen meist sehr spät zur Beratung, erzählt sie im Gespräch, und oft sei es die Kommunikation, die falsch laufe.

Welche Motivation hat jemand wie Ulrike Barta, Familien- und Eheberaterin zu werden? „Mitansehen zu müssen, dass ein Paar aneinander vorbeiredet. Es ist schade, wenn die beiden Partner es gut meinen, aber leiden, weil sie sich nicht verstehen.“ Diese Beobachtung hat Barta nicht nur vor 19 Jahren dazu veranlasst, Menschen bei Problemen zu begleiten. Diese Beobachtung macht sie auch am allermeisten, wenn Menschen Probleme haben: Es scheitert oft an der Kommunikation.

Kommunikation ist das Wichtigste

„Es wird zwar heute schon in den Schulen gelehrt, aber es ist etwas ganz Wichtiges: das aktive Zuhören, die Ich-Botschaften“, sagt Barta. Paare lernen in der Familienberatung also mitunter, wie sie reden und zuhören. Neben der verbalen Kommunikation vermittelt Barta auch gerne die „Fünf Sprachen der Liebe“, eine andere Form von Kommunikation, die deutlich macht: Egal, wie sehr man jemanden liebt, man kann nicht erahnen, was er im Moment gerade denkt, fühlt und möchte. Die Liebessprachen – die Anerkennung, Zweisamkeit, Hilfsbereitschaft, Zärtlichkeit oder die Zuwendung durch Geschenke – zeigen, dass Menschen ihre Liebe unterschiedlich ausdrücken. „Wenn ich jemand bin, der nur erkennt, dass mein Partner mich liebt, wenn er mir etwas schenkt – dann wird’s nichts nützen, wenn er kocht und putzt, weil seine Sprache die Hilfsbereitschaft ist.“

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Rechtzeitig zur Beratung kommen

Wenn es um Beziehung oder Ehe geht, kämen die Klienten meistens sehr spät, erklärt Ulrike Barta: „Wenn einmal der Kahn verfahren ist, ist auch das gegenseitige Verständnis nicht mehr gegeben. Wenn die Partner schon so gekränkt und enttäuscht sind, ist es oft schwierig, Verständnis für den anderen und seine Sichtweise aufzubringen.“ Sobald Paare das Gefühl haben, sie fänden keinen gemeinsamen Weg, es gebe kein Zueinanderkommen, wenn sich die Konflikte häufen oder sie sich nicht verstanden fühlen, sollten sie eine Familienberatung in Anspruch nehmen.

Oft liege es an der Kommunikation, und wenn man nicht rechtzeitig komme, entstünden andere Schwierigkeiten, erzählt Barta aus Erfahrung. Was braucht es außerdem, damit die Probleme nicht entstehen?

„Akzeptanz, Toleranz und Vertrauen; die Erkenntnis, dass mein Partner ein Mensch mit einer eigenen Persönlichkeit und Geschichte ist und seine eigene Sichtweise hat. Es ist auch wichtig, sich das einander mitzuteilen, gerade in Friedenszeiten.“

Anonyme, kostenlose Familien- und Eheberatung auf.leben

Die Familienberater haben, wie Priester und Ärzte, Schweigepflicht. Sie nehmen gerne einen Kostenbeitrag entgegen. In der Regel bleibt es nicht bei einem Beratungstermin, im Durchschnitt werden etwa fünf Termine benötigt, sagt Barta über ihre Arbeit bei der Familien- und Eheberatung auf.leben.

Menschen kommen nicht nur zur Familienberatung, wenn sie sich nicht mehr aus einer Situation aussehen. Sie kommen auch, weil sie ihr Problem mit einer neutralen Person besprechen möchten. Denn im Gegensatz zu Freunden oder Familie müssen die Berater unparteiisch sein. Außerdem bemühen sie sich um klare Botschaften, sagt Ulrike Barta: „Manchmal gibt es auch klare Worte von uns. So kann man sich weiterentwickeln oder denkt darüber nach, was man ändern könnte.“

Beratung kann nur dem helfen, der Hilfe möchte

Dem Partner zuliebe mit zur Familienberatung zu kommen mag gut gemeint sein, hat in der Regel jedoch wenig Wirkung. „Wenn ich nicht will, dann bin ich auch nicht bereit, etwas zu verändern. Viele kommen mit ihrem Mann oder ihrer Frau und meinen, ich als Beraterin sage ihnen jetzt, wie die andere Person zu funktionieren habe. Das geht aber nicht. Ich kann nur begleitend, unterstützend da sein, die Lösung liegt bei den Paaren oder bei den einzelnen Menschen. Es gibt leider kein Rezept“, reflektiert Ulrike Barta ihre Beratungsstunden.

Wie die Berater schlussendlich vorgehen, ist individuell an die Klienten angepasst. Es gibt kreative Methoden wie das Familienbrett oder Rollenspiel, oft sind sie mit den Klienten „nur“ im Gespräch. Bestimmte Techniken sind bei Paaren zum Beispiel eine Möglichkeit, um dahinterzukommen, wie der Partner denkt, fühlt, welche Meinung er hat. Für den Berater ist es am wichtigsten, zuzuhören und zu schauen, was die jeweiligen Personen brauchen.



EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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