6. Oktober 2015

Kindern das Warten erleichtern: Fingerkalender


10 Tage noch bis zum tollen Ausflug. Wie kann der Dreijährige so lange warten? Die Idee: Mit einem selbstgebastelten Fingerkalender das Warten erleichtern.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Manchmal kommen uns in schwierigen Situationen richtig gute Einfälle! So geht es auch mir immer wieder, wenn ich versuche, mir das Leben mit meiner Familie etwas leichter zu machen – in diesem Fall, um das Warten zu erleichtern. Eine Idee, die sich bewährt hat, möchte ich gerne weitergeben.

Seit Tagen nervte mich unser Jüngster, weil er wissen wollte, wann wir denn nun endlich den geplanten Ausflug machen würden, den ich angekündigt hatte. Bis dahin waren es noch mehr als zehn Tage und ich bereute es schon, ihm überhaupt davon erzählt zu haben. Die Vorfreude ist etwas sehr Schönes, vor allem für kleine Kinder, doch manchmal kann uns Erwachsenen die ewige Fragerei auch zu viel werden.

Einem Dreijährigen eine Zeitspanne erklären? Geht nicht!

Also überlegte ich, was ich machen könnte. Logisch erklären konnte ich meinem Dreijährigen die Dauer von zehn Tagen noch nicht. Das überstieg eindeutig seine Vorstellungskraft. Was also tun? Einen Kalender basteln? Eine Art Adventkalender für unser tolles Vorhaben? Das kam mir auch übertrieben vor. Als ich wieder einmal versuchte, ihm anhand seiner zehn Finger die Wartezeit zu erklären, kam mir ein Geistesblitz. Klar doch! Warum war ich bloß nicht früher drauf gekommen?

Ich ließ ihn seine Hände mit gespreizten Fingern auf ein Blatt Papier legen und zeichnete die Umrisse seiner Finger genau nach. Zehn Finger, zehn Tage. Jeden Tag durfte er nun mit Farbstiften einen Finger bunt anmalen und zählen, wie viele Tage noch übrig waren. Über den einzelnen Fingern kam auch noch die Zahl von Tagen, die er noch warten musste. So konnte er beim Zählen gleich die Zahlensymbole verinnerlichen – ein kleiner pädagogischer Nebeneffekt. 🙂

Ganz am Ende der zehn Tage kam noch die kleine Zeichnung einer Hütte, denn wir wollten wandern gehen und in einer Hütte übernachten. Diesen „Kalender“ klebte ich an einen Küchenschrank, sodass er zentral gut zu sehen war.

Stolz auf den eigenen Kalender

Mein Sohn war sehr glücklich und stolz, seinen eigenen Kalender zu haben! Jeden Tag lief er mehrmals hin um zu sehen, wie viele Tage noch übrig waren. Die Fragerei wurde deutlich weniger… An einzelnen Tagen zeichnete ich sogar noch kleine Symbole ein, zum Beispiel einen kleinen Hund, als wir eine Bekannte besuchen wollten, die einen Hund hat. Oder ein kleines Huhn, wenn wir bei anderen Bekannten Hühner füttern gehen wollten. Oder ein Kind mit Schwimmflügeln, als ein Badeausflug geplant war. Wenn mal ein besonderes Essen oder ein Eis vorgesehen war, konnte man das auch symbolisch darstellen. Eine kleine Kirche am „Sonntagsfinger“ stand für den Gottesdienst etc.

Nun, hat jemand Lust darauf bekommen?

Kalender nicht überladen

Drei Dinge, die ich noch wichtig finde:

  • Die Sachen, die am Kalender stehen, sollten auch wirklich eintreffen. Eine „Vielleicht“-Angelegenheit behalte ich lieber für mich, um unnötige Enttäuschungen zu vermeiden.
  • Einfach, klar und übersichtlich soll es bleiben. Den Kalender bitte nicht unnötig überladen!
  • Der Kalender eignet sich für besondere Ereignisse, aber meiner Meinung nach nicht als Dauer-Kalender. Vielleicht macht ja aber jemand anders ganz andere Erfahrungen? Bitte weitererzählen!

So wurde aus meiner Erklärungsnot schließlich ein nützliches Instrument, um die kindliche Vorfreude zu unterstützen. Ich merke richtig, wie ich mich darüber freue, diese sehr praktische Lösung gefunden zu haben! Viel Freude beim Anwenden!

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EIN ARTIKEL VON
  • Maria Lang

    Ich lebe mit meiner Familie in Wieselburg. In meiner Jugend bereiste ich die halbe Welt und war nach meiner Ausbildung sozial in Indien tätig. Nun unterrichte ich mit meinem Mann unsere vier Kinder zuhause und bin Autorin und Kulturvermittlerin im Stift Melk.


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