25. März 2019

Zahnpflege bei Kindern: Die häufigsten Fragen an den Zahnarzt

Zahnpflege: Die häufigsten Fragen der Eltern - meinefamilie.at

Erwachsene wissen, dass Zähneputzen wichtig ist – bei der Zahnpflege der eigenen Kinder tun sich jedoch häufig Fragen auf. Hier möchte ich ein paar Fragen beantworten, die ich als Zahnärztin von Eltern oft gestellt bekomme.

Mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes beim Baby, beginnen Eltern über die richtige Zahnpflege ihrer Kinder nachzudenken. Viele erinnern sich mit Schaudern an die eigene Kindheit – allzu oft wurde bei „Putzunwilligkeit“ mit dem Zahnarzt und heftigen Schmerzen beim Anbohren der Zähne gedroht. Umso mehr möchten Eltern heutzutage für einen angstfreien Zugang zum Thema Zahnarzt und Zähneputzen sorgen. Hier möchte ich die häufigsten Fragen an mich auflisten und beantwoten:

#1 Wie oft und wie lange muss ich Zähne putzen?

Zweimal täglich wirklich gründlich sind das Mindestmaß; und zwar so lange bis alle Flächen (innen, außen, Kaufläche, Zahnzwischenräume) geputzt wurden. Gerade bei den ganz Kleinen kann es schon bis zu 15 Minuten dauern, bis die Zahnbürste auch den hintersten Winkel erreicht hat.

Der respektvolle Umgang mit den Kindern, Eltern, die mit gutem Beispiel voran gehen und eine ausreichende Mundhygiene sorgen meist für einen positiven und reibungslosen Zahnarztbesuch. Muss später dann doch mal ein Loch gefüllt werden, wird das Kind vertrauensvoll auch diese Situation meistern.

Das heißt nicht, dass 15 Minuten geputzt wird, sondern man nimmt sich diese Viertelstunde Zeit für den „Zahnputzakt“; auch für Fragen und Unterbrechungen von Seiten des Kindes ist dann genug Platz.

#2 Was kann ich tun, damit mein Kind später gerne Zähne putzt?

Zahnpflege: Die häufigsten Fragen der Eltern - meinefamilie.at

Man kann schon vor dem ersten Zahn beginnen, das Zahnfleisch des Babys im Rahmen eines Morgen- und Abendrituals zu massieren, damit die Kinder an das Manipulieren im Mund gewöhnt sind. Aber so mancher Zahnputz bei meinem eigenen Sohn war eine große Herausforderung, da hilft nur Konsequenz und Durchhaltevermögen.

#3 Wie oft muss ich die Zahnbürste mindestens tauschen?

Zumindest alle 3 Wochen beziehungsweise wenn die Borsten verbogen und ausgefranst sind. Mein Sohn war ein richtiger Bürstenkauweltmeister und da auch ich nicht alle 2 Tage eine neue Bürste kaufen wollte, hatten wir eine zum Kauen für ihn und eine zum Putzen für mich. Die Zahnbürste sollte übrigens einen möglichst kleinen Kopf haben und dem Alter des Kindes entsprechen.

#4 Sollte man schon bei den Milchzähnen mit Zahnseide putzen?

Zahnpflege: Die häufigsten Fragen der Eltern - meinefamilie.at

Je früher man anfängt, desto mehr gehört auch die Zahnseide zum Zahnputzritual dazu. Nach dem Durchbruch aller Milchzähne ist meistens ein guter Zeitpunkt. Die richtige Verwendung sollte man sich zuvor von einem Zahnarzt/einer Zahnärztin oder einer Mundhygieneassistentin/assistenten erklären lassen.

#5 Welche Zahnpasta soll ich verwenden?

Kinder sollten keine Zahnpasten von Erwachsenen verwenden, sondern altersentsprechende. Auf den meisten Zahnpasten ist das empfohlene Alter aufgedruckt.

Die Zahnpasta sollte in jedem Fall Fluorid enthalten. Ab dem 1.Zahn bis zum 6. Lebensjahr eine erbsengroße Menge von ca. 500ppm und danach 1000 bis 1500 ppm ist noch die derzeitige Empfehlung, wobei bald ca. eine reiskorngroße Menge mit 1000 ppm Fluorid auch schon ab 2 Jahren offiziell empfohlen wird.
(zur Mengenerklärung: 1% F-= 10 000ppm Fluorid, im Vergleich: der erwachsene Mensch nimmt mit der täglichen Nahrung durchschnittlich 0,5 – 0,8 mg Fluorid auf )

#6 Wie schützt Fluorid den Zahn?

Zahnpflege: Die häufigsten Fragen der Eltern - meinefamilie.at

Die Zähne und ihre Zahnhartsubstanz sind eigentlich kein statisches Gebilde, sondern unterliegen dynamischen Auf- und Abbauprozessen. Durch den veränderten ph- Wert nach dem Essen werden mineralische Teilchen aus dem Zahn gelöst. Nach gewisser Zeit erreicht man wieder den Normalwert und die gelösten Teilchen werden aus dem Speichel wieder eingebaut. Ist in der Wiederaufbauphase Fluorid im Speichel enthalten, wird dieser miteingebaut und erhöht die Härte des Zahnschmelzes. Er kann nicht mehr so schnell aufgelöst werden.

#7 Ab welchem Alter kann mein Kind alleine Zähne putzen?

Meiner Erfahrung nach ist die feinmotorische Fertigkeit des Zähneputzens erst rund ums 7. Lebensjahr ausreichend erlernt. Allerdings kennen Eltern ihr Kind besser als der Zahnarzt und eine Kontrolle hie und da schadet bestimmt nicht.

#8 Ab welchem Alter soll man zum ersten Mal zum Zahnarzt?

Zahnpflege: Die häufigsten Fragen der Eltern - meinefamilie.at

Allerspätestens, würde ich sagen, mit 3 Jahren. Oder besser: sobald die Eltern glauben, dass das Kind neugierig genug ist, um das zu schaffen. Dann jedes halbe Jahr zur Kontrolle.

#9 Wieso hat mein Kind Angst vorm Zahnarzt, obwohl es noch nie dort war?

Weil Kinder von Erwachsenen lernen. Deshalb bitten Sie auch Großeltern oder andere enge Familienmitglieder vom Zahnarzt nur neutral oder positiv zu sprechen und nicht ihn als Drohung zu verwenden.
Eine positive Äußerung wäre beispielsweise Folgendes:

„Heute war ich beim Zahnarzt…, der hat alles genau untersucht und meinte, dass alles in Ordnung sei. Da war ich sehr stolz, dass ich so gut geputzt habe. Er hat mich auch sehr gelobt…..“
Ein Negativbeispiel wäre: „Heute war ich beim Zahnarzt… das hat sooo weh getan! Putz du ja besser, sonst bohrt der Zahnarzt bei dir auch…!“Welches Kind möchte nach so einer Aussage noch freiwillig zum Zahnarzt?

Abschließend möchte ich bemerken, dass die heutige zahnärztliche Behandlung von Kleinkindern sehr weit entfernt ist von den Horrorgeschichten aus der Kindheit meiner Großeltern. Kinder dürfen heutzutage bei den meisten Behandlungen auf dem Schoß der Eltern sitzen. Sie bekommen alles genau erklärt. Es werden Hilfssignale ausgemacht, wie das Heben der linken Hand, wenn es zu unangenehm wird. Der Speichelsauger wird „Schlürfi“ genannt. Ein Zahn wird geputzt, nicht angebohrt. Usw.

Der respektvolle Umgang mit den Kindern, Eltern, die mit gutem Beispiel voran gehen und eine ausreichende Mundhygiene sorgen meist für einen positiven und reibungslosen Zahnarztbesuch. Muss später dann doch mal ein Loch gefüllt werden, wird das Kind vertrauensvoll auch diese Situation meistern.



EIN ARTIKEL VON
  • Marianne Nussmueller

    Mein Name ist Dr.med.dent. Marianne Nussmüller. Ich bin 35 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Mein Sohn ist 5 Jahre alt und meine Tochter ein halbes Jahr. Von Beruf bin ich Zahnärztin.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at