7. Mai 2019

Was hat Wickeln mit Kommunikation zu tun?

Was hat Wickeln mit Kommunikation zu tun

Wie gelingt es, Kleinkinder stressfrei zu wickeln? Mein Kind will sich nicht die Windel wechseln lassen – das kennen viele Eltern. Was sollen wir tun, wenn das Kind nicht gewickelt werden möchte? Damit keine Wickelkämpfe entstehen, helfen diese Tipps.

Als unsere Tochter noch ein Baby war, haben wir die Zeit am Wickeltisch immer sehr genossen und das Wechseln der Windeln war ziemlich einfach. Sie mochte es nackt auf dem Tisch zu liegen und ihren Körper zu erforschen. Aber mit ca. 15 Monaten wurde sie unruhiger, protestierte öfter und drehte sich ständig weg. Es wurde immer stressiger am Wickeltisch.

Also habe ich mich gefragt, wie schaffen wir eine entspannte Wickelsituation. Dabei habe ich bei Emmi Pikler nachgelesen und ihre Empfehlungen ausprobiert. Die Emmi Pikler-Pädagogik zeigt uns, wie beziehungsvolle Pflege, wertschätzende Kommunikation und einfühlsame Beobachtung zusammenhängen und umgesetzt werden kann. Um eine entspannte und liebevolle Wickelzeit zu ermöglichen, habe ich ein paar Tricks zusammengestellt.

Entspannt wickeln – so geht‘s

Tipp 1: Nicht aus dem Spiel reißen

Gut ist es, das Kind sprachlich darauf vorzubereiten und eine geeignete Situation fürs Wickeln abzuwarten. Ich kündige unserer Tochter vorher an, dass sie nun bald gewickelt wird. So kann sie sich schon darauf einstellen: „Du hast deine Windel schon ziemlich lange an, wir sollten sie einmal wechseln.“ Oder „Komm wir gehen kurz ins Bad, um deine Windel zu wechseln.“ Wenn sie sehr versunken ist, warte ich noch etwas ab. Auch wir mögen es nicht, abrupt aus einer Situation heraus gerissen zu werden – und Kinder eben auch nicht.

Was hat Wickeln mit Kommunikation zu tun
(c) iStock
Tipp 2: Im Kontakt sein

Was und worüber soll ich denn beim Wickeln sprechen, sie antwortet doch nicht, fragte ich mich zu Beginn. Tatsächlich hat unsere Tochter schon als Baby auf unterschiedliche Weise mit mir kommuniziert. Das Wickeln war schon früh eine schöne Gelegenheit für Gespräche zwischen uns. Ich habe ihr erklärt, was ich vor habe und sie reagierte darauf. Wichtig ist es mir, meine Aktivitäten mit Worten zu begleiten, unsere Tochter auf den nächsten Schritt vorzubereiten und auf ihre Interessen einzugehen. Ich bereite meine Tochter sprachlich darauf vor, dass ich nun die Hose öffnen werde, dann den Body, usw. Dabei achte ich auch, worauf sie gerade ihre Aufmerksamkeit richtet.

Tipp 3: Zeit nehmen

„Schau Matilda, das ist dein T-Shirt, das ich dir jetzt anziehen werde…“ Warten bis sie bereit ist, vermittelt ihr Wertschätzung. Daher können wir einen Moment abwarten, bis die Information zum Kind durchgedrungen ist. Emmi Pikler sagt: „Wenn die Mutter oder der Vater sich dem Kind während der Pflegehandlungen aufmerksam zugewandt hat, so zeigt die Erfahrung, dass es danach gerne auch für sich ist, von selbst ins Spiel findet oder friedlich einschläft.“ Durch die ungeteilte Zuwendung fühlt es sich ausreichend „gesättigt“ und braucht danach seltener den Erwachsenen.

Tipp 4: Liegen, stehen – die passende Wickelsituation finden

Kleinkinder sind keine Babys mehr. Viele Kinder möchten nicht mehr liegend gewickelt werden und haben in den alltäglichen Abenteuern einfach keine Zeit für lange Wickelsituationen. Es sollte geschaut werden, wie die Wickelsituation für das Kind angenehm gestaltet werden kann. Manche Kinder lassen sich noch gerne lange liegend wickeln, vor allem, wenn sie aktiv mithelfen dürfen, die Windel und den Waschlappen zu reichen. Andere Kinder werden lieber im Stehen gewickelt. Ein Wickelbereich am Boden, vielleicht mit der Möglichkeit zum Festhalten, kann dann sehr sinnvoll sein. Dabei sind auch Windelhöschen bzw. Pants praktisch.

Tipp 5: Spaß

Zurzeit nimmt sie gern die frischen Windeln aus dem Körbchen und wirft sie umher. Für sie ist das ein Spiel. Sie probiert es aus – ob beim Wickeln oder beim Anziehen. Wenn wir Zeit haben, lasse ich mich gern auf diese Spiele ein, weil sie dabei Spaß hat.

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(c) Peter Hammer Verlag

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Tipp 6: Mithelfen lassen

Mittlerweile kann sie schon ihre Windel öffnen und hilft mit. „Jetzt hast du es geschafft, deine Windel alleine zu öffnen!“ Ich freue mich mit ihr über den neuen Schritt. Auch wenn es dem Kind zunächst noch nicht gelingt, beispielsweise aus dem Schlafanzug-Ärmel herauszukommen, ist es wichtig, ihm die Zeit für solche Versuche zu lassen. Nach vielen Bemühungen wird es ihm früher oder später doch gelingen. Auf diese Weise kann es mit Freude immer selbstständiger werden.

Wichtig ist es, den Signalen des Kindes zu vertrauen: Möchte das Kind nicht mehr wie ein Baby gewickelt werden, dann sollten wir darauf eingehen. Das ist oft nicht leicht zu verstehen, besonders dann, wenn es davor kein Problem gab. Aber die Eigenständigkeit des Kindes ist in der Entwicklung wichtig und kann durch das Eingehen gefördert werden.


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