20. Mai 2019

Tragehilfe: Wickeln oder Schnallen?


Diese Frage stellen sich wohl viele Eltern, die sich dazu entschlossen haben, ihr Baby in einem Tuch oder einer ergonomischen Tragehilfe zu tragen. Der Markt ist riesig, man weiß kaum, wo man anfangen soll. Einfach ein Tuch? Elastisch oder gewebt? Doch lieber eine ergonomische Tragehilfe – zum Binden, zum Schnallen oder einen Mix daraus?

In dem ganzen Dschungel ist eine Trageberatung wirklich zu empfehlen. Bei dieser kann man verschiedene Tücher aus unterschiedlichsten Materialien testen. Ebenso schafft man sich einen Überblick über verschiedene Tragehilfen, welche es auf dem Markt zu kaufen gibt.

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Viele Hebammenpraxen, Mütterstudios oder Eltern-Kind-Zentren bieten oftmals Workshops mit (ausgebildeten!) Trageberatern an. Oder man findet jemanden, der zu einem nach Hause kommt – was gerade im Wochenbett natürlich sehr praktisch ist. Es gibt auch werdende Eltern, welche eine Trageberatung bereits in der Schwangerschaft in Anspruch nehmen. Dann können sie die erlernten Techniken zu Hause mit einer Puppe üben. Meist gibt es nach der Geburt nochmal einen kurzen Besuch der Trageberaterin, um zu klären, ob das Baby richtig eingebunden wird.

Idealerweise testet man eine ergonomische Tragehilfe mit dem Baby – denn nicht jede Trage passt zu jedem Kind, jeder Mama oder jedem Papa. Bedürfnisse sind unterschiedlich, und dies gilt es für einen guten Trageberater zu erkennen.

Eine ergonomische Tragehilfe zeichnet sich durch unterschiedliche Punkte aus

Der Steg ist verstellbar

Das heißt, ich kann den Stoff, welcher von Kniekehle zu Kniekehle gehen soll, verstellen. Damit wird die natürliche Anhock-Spreiz-Haltung gewährleistet. Bei der Anhock-Spreiz-Haltung sind die Knie auf Höhe des Bauchnabels angezogen, der Rücken wird automatisch rund.

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Die Trage besteht aus weichem, anschmiegsamem Stoff

Dieser kann sich am besten an den Rücken des Babys anpassen und stützt diesen optimal. Die meisten ergonomischen Tragen bestehen aus gewebtem Tragtuch-Stoff.

Nackenstütze

Ich kann den Nacken meines Babys zusätzlich durch z.B. Kordelzug stützen. Dies ist v.a. dann wichtig, wenn das Baby eingeschlafen ist und der Muskeltonus nachlässt.

Das Rückenteil lässt sich erweitern

Somit ist gewährleistet, dass sich das Rückenpanel perfekt ans Baby anpassen lässt. Es wächst mit dem Baby mit und man hat lange etwas von der Tragehilfe.

Gesicht zum Tragenden

Das Baby sollte mit dem Gesicht immer zum Tragenden schauen – niemals nach vorne gerichtet. In dieser Haltung wird der Rücken überstreckt, die Anhock-Spreizung ist nicht möglich und das Baby kann sich bei Reizüberflutung nicht wegdrehen. Wenn das Baby mehr sehen möchte, kann man es am Rücken tragen und über die Schulter schauen lassen. Da kann es sich nämlich wegdrehen, wenn es müde oder von Reizen überfordert ist.

Bequem für die tragende Person

Natürlich ist dies ebenso ein wichtiger Punkt. Denn es kann die noch so beste Tragehilfe auf dem Markt sein – solange sie die tragende Person schmerzt, wird diese keine Freude am Tragen finden. Deshalb ist eine Trageberatung unbedingt zu empfehlen, um sich durchzuprobieren.

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Die „richtige“ ergonomischen Tragehilfen haben es leider noch nicht in bekannte Babyfachgeschäfte geschafft. Es lohnt sich definitiv, im Internet nach ergonomischen Tragehilfen zu suchen oder sich in diversen Facebook-Gruppen zu informieren.

Und wie immer gilt: jeder will das Beste für sein Kind! Nur weil eine Mama ihr Baby nicht in einer ergonomischen Tragehilfe trägt, heißt das nicht, dass das Baby unglücklich ist. Deshalb sollte man achtsam mit „gutgemeinten Ratschlägen“ umgehen, damit man frischgebackene Mütter mit hartgewählten Worten nicht verletzt. Und – solange es dem Baby gut geht, geht’s der Mama gut. Heißt: sich einfach nicht einmischen, außer man wird um Rat gebeten oder es ist Gefahr in Verzug.



EIN ARTIKEL VON
  • Tatjana Kirchweger

    Als Trage & Stoffwindel Beraterin möchte ich euch auf euren Weg als Familie mit Rat und guten Tipps zur Seite stehen. Unsicherheiten und Ammenmärchen machen jungen Eltern das Leben oft nicht so leicht – Ich bin 2 fache Mama und weiß, wo die Hürden im Alltag liegen und es freut mich, auch hier meine Erfahrungen weitergeben zu können.


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