10. Dezember 2019

Nicht stillen und trotzdem eine gute Mami – geht das überhaupt?

Nicht stillen und trotzdem eine gute Mami – geht das überhaupt

Ich weiß, dass Stillen das Beste und Gesündeste für das Kind ist. Dennoch möchte ich allen Müttern Mut machen, sich nicht von der Masse schlecht reden zu lassen, nur weil das Stillen vielleicht nicht klappt oder sie ihr Kind mit dem Fläschchen füttern.

Nein ich will nicht stillen! Kaum ein anderer Satz kann in den sozialen Medien und auch „live“ mit anderen jungen Müttern so einen Streit auslösen.

Was man so alles hört, wenn das Stillen nicht klappt?

  • Richtig, in erster Linie hört man: „Du bist schuld!“
  • Du musst dir mehr Mühe geben!
  • Stillen ist das Normalste auf der Welt!
  • Geh zu einer Stillberatung!
  • Füttere ja nicht zu usw…

Warum sich selber abwerten, wenn es nicht klappt?

Bei solchen Sätzen muss ich fast weinen, weil ich war schon zwei Mal in der Situation und man fühlt sich echt nicht gut, wenn man stillen möchte und es einfach nicht klappt. Beim ersten Kind war es am schlimmsten! Eh schon so gestresst, weil alles das erste Mal war, der Haushalt blieb liegen, ich litt unter dem Schlafmangel und jeder fragte, ob es mit den Stillen eh klappte.

Lass dir gesagt sein, du bist eine tolle Mami, einfach, weil du dein Kind liebst und du alles für es tun würdest. Aber wir dürfen auch lernen auf uns selbst zu schauen.

Was tut uns gut?

Was nützt es meinem Kind, wenn ich total gestresst und traurig bin? Wenn der kleine Zwerg Hunger hat, bekommt er was und wenn es bei mir nicht klappt, okay, dann Plan B: ein Flaschi. Aber muss ich mich deswegen schlecht fühlen? Bin ich dadurch eine schlechte Mama?

Muss ich mich selbst runter machen deswegen? Nein! Um Himmels willen Nein!

Meine Kinder sind beide mit Flasche aufgewachsen, beide fast nie krank, beide sehr lustig und im Kindergarten fragt dann kein Mensch mehr, ob du gestillt hast.

Voraussichtlich werde ich dieses Mal auch nicht stillen!

Für viele Mütter jetzt überhaupt nicht verständlich, aber wahrscheinlich werde ich auch dieses Mal nicht stillen.  Für mich gibt es gute Gründe dafür. Meine vier-jährige Tochter hat frühkindlichen Autismus und drei Mal in der Woche Therapie. Sie braucht besonders viel Aufmerksamkeit, dazu kommt meine mittlere mit einem Jahr, das heißt, die Beine funktionieren schon super, der Kopf noch nicht ganz so.

Meine Mama sagt immer, es ist wie in einem Flugzeug, wenn die Sauerstoffmasken runterkommen, zuerst brauchst du die Maske und dann kannst du dich auch um andere kümmern.

Ich will die Zeit mit meinen Kindern genießen, das kann ich aber nur, wenn ich mich nicht stressen lasse. Und da es bei mir bis jetzt nicht geklappt mit dem Stillen, werde ich wahrscheinlich auch dieses Mal eher nicht stillen.

Im Krankenhaus hat man die Zeit und auch die Ruhe dazu, aber es geht um danach. Für mich es ist wichtig, einen Rhythmus zu finden, der für mich schaffbar und machbar ist. Und ich glaube, das Wichtigste ist, dass man dabei auch gut auf sich selbst achtet und sich selbst nicht aus dem Blick verliert.

 

 

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Caroline Avendano

    Ich bin 27 Jahre alt, verheiratet und habe drei Töchter: Saphira (Autistin, fast 4 Jahre alt), Melissa Katherina (8 Monate) und Bauchzwerg Esmeralda Maria kommt im November. Ich bin diplomierte Fachsozialbetreuerin mit Schwerpunkt Behindertenarbeit. Wenn ich nicht in Karenz bin, arbeite ich bei der Lebenshilfe Salzburg. Lesen war schon immer meine große Leidenschaft, und darum bin ich auch dann aufs Schreiben gekommen.


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