18. November 2019

Hebamme meiner Wahl – Warum? Wozu und was kostet das?

Hebamme meiner Wahl – Warum? Wozu und was kostet das?

Jedes Jahr kommen in Österreich mehr als 85.000 Kinder zur Welt, allein in Wien waren es 2018 über 20.000. Schön und wünschenswert wäre es, wenn jede einzelne Geburt von einer eigenen Hebamme begleitet werden könnte. Von einer Eins-zu-Eins Betreuung sind wir aber in Österreichs Spitälern teilweise leider weit entfernt.

Wie man momentan in diversen Nachrichtenjournalen, Sendungen und auch dem Radio hören kann, betreuen die Hebammen in Österreichs Kreißzimmern im Moment bis zu 3 oder mehr Frauen gleichzeitig. Da stellt sich doch automatisch die Frage, ob man sich als schwangere Frau um eine Wahlhebamme für die Geburt bemühen sollte. Also eine Hebamme die man auf Abruf für die Geburt bucht und die einen dann ins Krankenhaus begleitet oder gar dort auf einen wartet, wenn es denn soweit ist.

Da diese Beistandsleistung auf eigene Kosten erfolgt, kommen da natürlich sofort einige Fragen auf, das Finanzielle wahrscheinlich an erster Stelle. Deshalb einige Infos in der Kürze zusammengefasst und etwas Info am Rande, um hoffentlich etwas Klarheit zu verschaffen.

Eine Hebamme bei der Geburt ist (k)eine Kassenleistung

Selbstverständlich steht jeder Frau in Österreich eine Hebamme zu, die sie während der Geburt begleitet und ihr bei der Entbindung helfend zur Seite steht. Diese Leistung ist im sogenannten Hebammengesetz verankert und somit auch eine Kassenleistung. Wahlfreiheit ist allerdings in diesem Gesetz nicht angeführt und damit obliegt die Wahl der Hebamme nicht der Frau, sondern diese wird ihr von der Institution in die sie sich begibt zur Seite gestellt.

In den häufigsten Fällen meint Institution in diesem Fall Krankenhaus, aber auch Sanatorien, die Rettung oder ähnliches ist gemeint. Es wird also das sich im Dienst befindliche Team an Hebammen herangezogen und die Kollegin mit den meisten Kapazitäten übernimmt die Frau dann. Natürlich ist in manchen Häusern stets nur eine Hebamme im Dienst und damit fällt die Wahl gleich leichter.

Grundsätzlich natürlich keine schlechte Überlegung die Kollegin zu wählen, welche noch Zeit für die Patientin hat und die Betreuung übernehmen kann – von beiden Seiten aus gesehen…

Wenn die beiden sich nun aber so gar nicht „riechen“ können?

Was aber, wenn die Hebamme nun gar nicht so ist, wie die Frau das bräuchte oder sich wünschen würde. Das kommt aus der Erfahrung her ganz oft als Frage in den Geburtsvorbereitungskursen und ist offenbar eine der großen Ängste von Schwangeren rund um das Thema der Geburt. Verständlicherweise, da ja jede Frau weiß, wie viel Zeit man mit der Hebamme verbringt bzw. wie angewiesen man auf diese in einer der sensibelsten und empfindsamsten Phasen im Leben ist.

Als Hebamme kann ich sagen, dass dieser Umstand wirklich äußerst, äußerst selten vorkommt, aber natürlich ist es immer eine Sache von Sympathie und Antipathie, wenn zwei Menschen in so einer Situation zusammen kommen.

Deswegen beschließt ein Teil dieser Frauen, dieses Risiko nicht eingehen zu wollen und sie organisieren sich schon vorab ihre eigene Hebamme. Allerdings kostet das extra…

Eine Wahlhebamme während der Geburt kostet extra! Wieso eigentlich?

Die Geburt an sich ist, wie schon gesagt, natürlich eine Kassenleistung, also bekommt das Krankenhaus je nach Geburtsmodus und Aufenthaltsdauer eine Pauschale für die Entbindung. In dieser Pauschale ist alles enthalten: Räumlichkeiten, Essen, Materialien wie Tupfer, Instrumente oder gar das Vakuumgerät, eventuelle Schmerzmittel, Operationen wie ein Kaiserschnitt oder auch nur das Legen einer PDA („Kreuzstich“) und natürlich das Personal – unter anderem der Gynäkologe und der Anästhesist, aber auch die Krankenschwestern und auch die Hebamme.

Wenn die Frau jetzt also sagt, die Hebamme im Dienst will ich nicht – ich habe meine eigene, kann/ will das Krankenhaus diese Kollegin natürlich nicht mitfinanzieren, weil sie ja selbst ihre eigene Hebamme im Dienst zahlen müssen. Wenn diese auch für jene Geburt gerade nicht gebraucht wird, so muss sie ja trotzdem für den Fall da sein und will entlohnt werden. Zahlt jetzt das Krankenhaus die zweite Hebamme zusätzlich, geht sich das vom Budget her nicht aus. Sie würden doppelt auszahlen.

Generell gibt es also eine Deckung für Geburten, wobei man anmerken sollte, dass leider viele Geburten im Endeffekt defizitär sind. Wenn man Schmerzmittel, Operationen, Räumlichkeiten, etc. kalkuliert und gegenrechnet. Es wird also bloß kalkuliert, dass insgesamt das Krankenhaus in etwa bare aussteigt übers Jahr gesehen.

Hebamme meiner Wahl – Warum? Wozu und was kostet das?
(c)iStock

Mit welchen Kosten ist zu rechnen?

Natürlich sind die Tarife nicht überall gleich und je nach Bundesland etwas unterschiedlich. Zusätzlich gibt es ein Stadt– Land– Gefälle, aber die Tarife beginnen bei rund €700 bis €800 und steigern sich in den Städten wie Wien oder Linz auf ca. €1300. Eine Obergrenze gibt es nicht, daher sollte sich jede Frau frühzeitig über die Kosten informieren um ungebetene Überraschungen am Ende zu vermeiden. Unterschiedlich sind auch die enthaltenen Leistungen der verschiedenen Kolleginnen.

Die Pauschale gilt meistens für die Anwesenheit bei der Geburt, unabhängig von der Dauer, und die 5 Wochen Rufbereitschaft vor bzw. nach dem Geburtstermin. Manchmal ist ein Erstgespräch oder eine Nachbesprechung inkludiert, das sonst extra verrechnet werden würde. Daher ist eine teurere Pauschale nicht gleich eine teurere Hebamme – es lohnt sich also stets die Nachfrage.

Welchen Nutzen habe ich als Frau von so einer Geburtsbegleitung?

Nun, ich als schwangere Frau habe eine dauerhafte Ansprechperson, die mir bei Fragen zur Seite steht und für mich erreichbar ist. Die Hebamme hat Tipps und Tricks und Antworten zu allen Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Hebammen sind für die physiologischen Geburten zuständig und deshalb muss bei einer physiologischen Geburt in Österreich eine Hebamme dabei sein – eine Arztpflicht gibt es nicht.

Habe ich nun „meine eigene“ Hebamme weiß ich von vornherein, wen ich bei Unsicherheiten kontaktiere, wer mich im Krankenhaus erwartet und bei der Geburt begleitet. Egal wie lange diese dauert, es gibt keinen Schichtwechsel und damit eine kontinuierliche Betreuung. Denn eine große Angst vieler Frauen ist, dass sie nicht mit der ihnen zugeteilten Hebamme zurechtkommen. Diese Angst kann ich als Frau mit einer Wahlhebamme für die Geburt einfach beseitigen.

 

 

 



EIN ARTIKEL VON
  • Stephanie Miesbauer

    Als ausgebildete Kindergarten- und Früherziehungspädagogin arbeitete ich zuerst einige Jahre in der Krabbelstube. Seit 2013 bin ich nun als Hebamme für Mutter und Kind im Einsatz - zuerst in Linz, seit März 2019 in Wien. Der zusätzliche Master of Advanced practice midwifery folgte 2016. Ich bin sowohl im Krankenhaus tätig als auch freiberuflich und decke somit von der Schwangerenbetreuung, über die Geburt bis hin zur Nachsorge alle Bereiche ab.


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