7. April 2018

Freizeit der Mütter – Zeit der Vorfreude

freizeit der mütter - meinefamilie.at

Mein Sohn ist 14 Monate alt und ich war das erste Mal abends alleine unterwegs. Es war so ein Ereignis für mich, dass ich darüber sogar schreiben muss. Es hat mich tagelang beschäftigt. Vor dem Abend und auch lange danach.

Ganz nervös habe ich an dem Abend meine Handtasche aus dem Schrank geholt, mir einen Lippenstift aufgetragen und meinem Kind und meinem Mann einen Lippenstiftkuss zum Abschied gegeben. Als ich zur Wickeltasche griff, erinnerte mich mein Mann daran, dass ich stattdessen die Handtasche nehmen soll. Das fühlte sich komisch an. Sie war klein, halb leer und es waren kein Spielzeug und keine Feuchttücher drinnen.

Große Reise beginnt

Als ich alleine im Auto saß, kämpfte ich mit mir selbst. Soll ich umdrehen und den Abend doch zu Hause verbringen? Wieso gehe ich überhaupt am Abend aus? Ich wartete auf dieses Gefühl, das viele Frauen beschreiben. Dass man sich frei fühlt. Entspannt und glücklich. Ich wartete und wartete, aber das Gefühl kam nicht. Ich freute mich auf das Konzert, zu dem ich eingeladen war. Operngesang begleitet von Klavier, was will man mehr? Dennoch fehlte mir das abendliche Schreien meines Sohnes, weil er keine frische Windel will. Es fehlte mir seinen Hochstuhl vom Brei zu befreien, nachdem er gegessen hat. Es fehlte mir bei ihm im Bett zu liegen, bis er nach etlichen Turneinheiten schließlich einschläft. Ich wollte mich, wie fast jeden Abend, aus dem Zimmer schleichen und müde auf der Couch sitzen. Mit meinem Mann, der nach zehn Minuten meistens einschläft.

Die Zeit für zwei freie Hände

Aber jetzt saß ich da, in einem wunderschönen Saal, mit meinem Handy in der Hand- falls etwas wäre… Und mit jedem weiteren Lied war ich in Gedanken immer weiter weg von meiner Familie. Ich genoss einfach die schöne Musik und als mich die Nachricht erreichte, dass mein Sohn friedlich schläft, war ich noch entspannter. Am Heimweg dachte ich darüber nach, wieso es so wichtig sei, die Zeit ohne meine Familie zu verbringen. Während die meisten entsetzt waren, dass ich erst nach 14 Monate mein Kind am Abend alleine mit seinem Papa ließ, fand ich es fast noch zu früh. Wieso ist es mir so schwer gefallen?

Meine schönste Freizeit

Der Alltag mit einem Kind ist manchmal sehr anstrengend. Auch wenn mein Sohn ein pflegeleichtes Wesen ist, schaue ich oft um 18 Uhr ungeduldig zur Tür und sobald mein Mann rein kommt, kriegt er schon den Kleinen in die Hände gedrückt. Ich koche dann mit zwei freien Händen und trinke in Ruhe einen Kaffee. Eine Tasse in einer Hand, einen Löffel in der anderen. Das ist für mich Entspannung pur. Dabei schaue ich manchmal meinem Mann und meinem Sohn zu, wie sie zusammen spielen, lachen, Unsinn machen und ich bin endlos glücklich. Kein Konzert der Welt kann mir mehr Freude und Entspannung bereiten, als diese Abende zu Hause. Und dann dieses Gefühl, wenn das Kind schläft und wir motiviert einen Film einschalten, den wir höchst wahrscheinlich nicht bis zum Schluss schauen werden. Weil wir zu müde sind. Müde und dankbar.

Von Glück erfüllt

Für mich ist meine Familie der Ursprung der Glücksgefühle. Die kleinen Kinderhände, die mich streicheln und umarmen. Die wunderbarste Stimme der Welt, die „Mama“ ruft. Die kleinen Fortschritte, welche mein Sohn jeden Tag macht. Er ist unser Mittelpunkt und der Grund für viele Lachanfälle, für zahlreiche Gespräche, Herausforderungen und schlaflose Nächte. Dank ihm hinterfragen wir uns täglich und versuchen bessere Menschen zu werden. Dank ihm schätzen wir unsere Ehe mehr denn je und versuchen noch mehr zusammenzuhalten.

Freizeit für sich und die Familie

Am besten fühle ich mich, wenn wir drei zusammen sind. Ja, ich werde auch in der Zukunft die Zeit ohne meine Familie verbringen. Ich werde meinem Mann und Sohn die Zeit zu zweit gönnen. Denn es ist eine wertvolle Zeit voller Erfahrungen, welche ohne das wachsame Auge von Mama ganz anders werden. Ich werden die Zeit für mich nützen, um die Freude zu spüren, wenn ich wieder nach Hause komme. Wahrscheinlich wollen deswegen Mütter ihre Zeit manchmal ohne ihre Kinder verbringen. Weil die Vorfreude so schön ist. Weil es erst dann einem bewusst wird, was für ein schönes Leben man eigentlich führt.

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at