6. August 2018

Wenn Eltern sich in ihren Kindern wiedererkennen

Wenn Eltern sich in ihren Kindern wiedererkennen - meinefamilie.at

Das erste gezielte Lächeln, die ersten wackeligen Schritte und die ersten verständlichen Worte sind schon etwas Besonderes. Doch erlebte ich im Leben meines Kindes noch einen Moment, der mich zu Tränen gerührt hat. Den Moment, in dem ich merkte, wie viel mein Kind tatsächlich von uns lernt und wie viel von unserem Wesen in ihm erkennbar ist.

Mein Sohn war als Baby sehr neugierig. Er wollte alles sehen und miterleben, was ich im Alltag tat. Ich fand es schön und erklärte ihm jede Tätigkeit, die ich durchgeführt habe. Ich erzählte ihm, dass ich gerade den Geschirrspüler ausräume und was mit dem Geschirr passiert. Ich erklärte, wieso ich mich schminke und was ich genau dabei tue. Und ich zeigte ihm immer wieder, wie ich unnötige Sachen in den Mülleimer werfe und andere Dinge des täglichen Lebens.

Natürlich landeten später Spielsachen im Geschirrspüler oder im Mülleimer und mein Sohn steckte seine kleinen Fingerchen in meine Lippenstifte. Meine Schublade im Badezimmer ist heute noch von innen ganz schön bunt. Umso erfreulicher war folgendes Erlebnis in einem Einkaufszentrum.

Tränen im Einkaufszentrum

Eines Tages spazierte ich mit meinem Mann und meinem Sohn in einem Einkaufszentrum. Unser Sohn, damals knapp über ein Jahr alt, saß in seinem Kinderwagen und aß Obstbrei in einem Quetschbeutel. Als er fertig war, wurde er unruhig und zeigte mit der Hand, in der er den Quetschbeutel hielt, irgendwohin. Wir haben zuerst nicht verstanden, was er möchte. Dann fiel mir ein Mülleimer auf. Mein Sohn zeigte auf einen Mülleimer. Ich habe meinem Mann gesagt, er soll mit dem Kinderwagen zu dem Mülleimer fahren und kurz stehen bleiben. Und ich hatte recht. Mein Sohn warf seinen leeren Quetschbeutel rein (so wie wir es immer vorzeigen) und applaudierte sich selber. Ich und mein Mann standen nur da und staunten. Wir waren so stolz und gleichzeitig überrascht. Mit Tränen in den Augen wussten wir, dass wir das beste Kind der Welt haben. 🙂

Wenn etwas zurück kommt

Da ahnte ich noch nicht, dass dieses Erlebnis ein Beginn von einer Reihe ähnlicher Erlebnisse sein wird. Unser Sohn hat angefangen uns täglich zu zeigen, was er von uns schon gelernt hat. Jetzt, mit 18 Monaten, läuft er schon begeistert zum Tisch und setzt sich hin, wenn ich sage, dass es gleich etwas zu Essen gibt. Auch mit jedem Keks oder Obst setzt er sich hin. Wenn ich abends mit einer Milchflasche gesichtet werde, läuft er ins Schlafzimmer und legt sich ins Bett. Und er verbringt viel Zeit sitzend auf der Couch mit einem Buch in der Hand. Da platzte ich vor Stolz, wenn ich das sehe.

Kinder- unsere Spiegel

Wir grinsten, denn uns wurde wieder klar, wie schnell unser Fehlverhalten nachgemacht wird. Und dass es wenig Sinn macht den Kindern etwas zu verbieten, was wir selbst vorleben.

Täglich aufs Neue werden wir aber auch daran erinnert, dass wir unter strengen Beobachtung stehen und alles, was wir tun, nachgeahmt wird. So auch gestern beim Abendessen. Unser Sohn durfte die Reste eines Avocado-Dips aufessen. Schön mit einem Löffel kratzte er die Köstlichkeit aus, bis mein Mann nur nebenbei mit einem Finger ein kleines Bisschen von Dip aus der Schüssel klaute. Ich habe es kaum bemerkt, aber unser Sohn hat seinen Löffel sofort hingelegt und weiter mit dem Finger gegessen. Kurz habe ich mich darüber gewundert, bis mein Mann meinte, er hätte ihm das unabsichtlich gezeigt. Wir grinsten, denn uns wurde wieder klar, wie schnell unser Fehlverhalten nachgemacht wird. Und dass es wenig Sinn macht den Kindern etwas zu verbieten, was wir selbst vorleben.

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EIN ARTIKEL VON
  • Mirka Huber

    Ich bin Journalistin und seit 2016 Mama von einem Jungen. Seitdem ist mein Leben erfüllter denn je. Meine kleine Familie ist wie eine Ruheinsel, denn neben Beruf und Familie betreue ich noch eine Pfadfindergruppe. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Lesen, in der Natur, mit Freunden oder Sport.


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