9. Juli 2019

Was Eltern über Kleinkinder wissen sollten


Kleinkinder werden oft missverstanden. Das Kleinkindalter ist eine Entwicklungsphase, in der Kinder sehr emotional sind und viele Entwicklungsschritte bewältigen. Kleinkinder wollen verstanden werden. Was müssen wir Eltern wissen, um unsere Kleinen zu verstehen?

Klar, Kleinkinder können herausfordernd sein, aber auch wunderbar. Etwa nach dem ersten Geburtstag werden aus Krabbelkindern laufende und sprechende Kleinkinder. Sie werden neugieriger und selbstbewusster. Sie können anstrengend sein, aber bringen uns auch zum Lachen und rühren uns im nächsten Moment zu Tränen.

In Wirklichkeit versuchen Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren nur, die Welt um sich herum zu verstehen. Wenn wir genau DAS einsehen und im Blick haben, dann verstehen wir unsere Kleinkinder besser und dies entspannt uns Eltern in dieser Phase ungemein, schreibt Simone Davis .

Als ich das Buch „The Montessori Toddler“ las, verstand ich meine Tochter, die gerade 1,5 Jahre alt ist, viel besser. Was Simone Davis über die Art wie wir Kleinkinder sehen können, berichtet, hat mich stark geprägt. Wenn wir uns in die Erlebenswelt von Kleinkindern hineindenken und -fühlen, können wir deren Verhaltensweisen besser nachvollziehen. Mit diesem neuen Verständnis fällt es mir leichter, angemessen zu reagieren und zusammen mit meiner Tochter eine glückliche Zeit zu erleben.

Was wir über Kleinkinder wissen sollten

Kleinkinder müssen Neinsagen

Eine der wichtigsten Entwicklungsphasen, die ein Kleinkind durchläuft, ist die „Autonomiephase“. Zwischen 1,5 und 3 Jahren stellen Kinder fest, dass ihre Identität von der ihrer Eltern getrennt ist, und beginnen autonomer zu werden. Sie beginnen „Nein“ zu sagen und entdecken das eigene „Ich“. Sie wollen immer mehr selbst bestimmen, handeln und den eigenen Willen durchsetzen. Dabei stoßen sie an Grenzen, die Kinder nicht akzeptieren können. Je nach Temperament bringen Kinder dann ihren Unmut zum Ausdruck.

(c) iStock
Kleinkinder sind impulsiv

Ihr präfrontaler Cortex (der Teil des Gehirns, der unsere Selbstkontrolle und Entscheidungszentren beherbergt) ist noch in der Entwicklung. Das heißt, wenn sie impulsiv handeln z.B. einem anderen Kind etwas aus der Hand reißen, müssen wir sie führen und geduldig sein. Der Erwerb emotionaler Kompetenz wird als bedeutende Entwicklungsaufgabe im Kindesalter angesehen. Mit zunehmendem Alter lernen Kinder mit ihren Emotionen und den Emotionen anderer immer besser umzugehen. Kleinkinder brauchen Zeit, um das zu verarbeiten, was wir sagen. Anstatt unserem Kind wiederholt zu sagen, es soll den Schnuller her geben, können wir in unserem Kopf bis zehn zählen, damit es Zeit hat, unsere Ansage zu verarbeiten. Wenn wir bei acht sind, werden wir oft sehen, dass sie anfangen zu reagieren.

Kleinkinder müssen sich bewegen

Sie können nicht lange still sitzen. Sie wollen die Bewegung beherrschen. Sobald sie stehen, üben sie das Klettern und Laufen. Wenn sie erst einmal laufen, wollen sie rennen und schwere Gegenstände bewegen – je schwerer, desto besser. Es gibt sogar einen Namen für den Wunsch, sich auf höchstem Niveau zu behaupten, indem man zum Beispiel große Gegenstände trägt oder schwere Dinge schiebt: maximale Anstrengung. Ein abwechslungsreicher Bewegungsraum drinnen und draußen bietet den Kindern vielfältige Übungs- und Erfahrungsmöglichkeiten. So üben sie ganz selbständig und werden immer geschickter.

Kleinkinder wollen die Welt um sich herum erkunden und entdecken

Kinder sind von sich aus neugierig, aktiv und begierig ihre Umwelt zu erkunden. Damit unsere Kinder ihre Umgebung entdecken können ist es hilfreich unsere Räume zuhause so einzurichten, dass unser Kind sie sicher und selbständig erkunden kann. Kinder lieben Aktivitäten, bei denen alle Sinne einbezogen werden und in der Natur zu sein. Lassen wir sie im Dreck graben, im Wasser planschen, barfuß im Gras oder durch den Regen laufen.

Kleinkinder brauchen Ordnung und Beständigkeit

Kleinkinder bevorzugen, dass Dinge jeden Tag genau gleich sind – dieselbe Routine, dieselbe Ordnung und dieselben Regeln. Es hilft ihnen sich zurecht zu finden, die Welt zu begreifen und zu wissen, was sie erwartet.

(c) iStock
Kleinkinder brauchen Freiheit

Diese Freiheit wird ihnen helfen, neugierige Lernende zu werden, Dinge für sich selbst zu erleben, Entdeckungen zu machen und Kontrolle über sich selbst zu haben. Eine Freiheit im Sinne von selbständigem, verantwortungsbewussten Handeln, um zu selbstbewussten und eigenverantwortlichen Persönlichkeiten heranzureifen.

Kleinkinder brauchen Grenzen

Diese Grenzen werden sie schützen, sie lehren andere und ihre Umwelt zu respektieren und ihnen helfen, verantwortungsbewusste Menschen zu werden. Limits helfen dem Erwachsenen auch dabei einzuschreiten, bevor eine Grenze überschritten wird, um größeren Ärger, Wut und Schuld zu vermeiden. Grenzen sollen Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit bieten. Das bedeutet, Kinder brauchen sie, und haben auch das Bedürfnis nach Grenzen, innerhalb derer sie sich ausprobieren und orientieren können. Wenn die Grenzen nicht konsistent sind, werden Kleinkinder sie testen, um zu sehen, was wir heute entscheiden. Wenn wir dieses Bedürfnis verstehen, können wir mehr Geduld und mehr Verständnis haben.

Kleinkinder müssen kommunizieren

Unsere Kinder versuchen auf viele Arten mit uns zu kommunizieren. Babys gurgeln, junge Kleinkinder plappern und ältere Kleinkinder lieben es, Fragen zu stellen. Wenn wir diesen Kindern jeweils entsprechend antworten und ihnen eine reiche Sprache geben, werden sie diese wie ein Schwamm aufnehmen. Kleinkinder lieben es, Fähigkeiten zu wiederholen, bis sie sie beherrschen. Wenn wir sie beobachten, können wir feststellen, dass die Aufgaben, die sich Kinder suchen, meist schwierig genug sind, um herausfordernd zu sein, aber nicht so schwierig, dass sie aufgeben. Sie wiederholen und wiederholen den Vorgang, bis sie ihn perfektionieren. Sobald sie es gemeistert haben, gehen sie weiter.

Kleinkinder tragen gerne etwas bei und sind ein Teil der Familie

Viele Kinder sind mehr an den Gegenständen interessiert, die wir Eltern benutzen, als an ihren Spielsachen. Sie arbeiten gerne mit uns zusammen, wenn wir Essen zubereiten, Wäsche waschen, den Geschirrspüler ein- und ausräumen oder die Pflanzen gießen. Sie wollen am echten Familienalltag teilhaben, ein aktives Mitglied der Familie sein. Das Teilhaben bereitet ihnen viel Freude und sie haben das Gefühl dazuzugehören sowie fähig und wichtig zu sein. Darauf werden sie aufbauen.

Wenn wir verstehen wie unsre Kleinkinder ticken und was sie von uns brauchen, dann sehen wir den Alltag plötzlich mit anderen Augen – und wissen, was zu tun ist. Wenn wir verstehen was in diesem Alter passiert, dann ist es leichter artgerecht damit umzugehen und unsere Kinder bedürfnisorientiert zu unterstützen und mit ihnen zu wachsen.



EIN ARTIKEL VON
  • Marie-Thérèse Schmiedleitner

    Ich bin Pädagogin und seit Jahren in der Kinderbetreuung tätig. Darüber hinaus biete ich systemische Familienberatung für Babys, Kleinkinder und Elternworkshops an. Ich lese leidenschaftlich gerne Blogs und bin selbst begeisterte Bloggerin.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at