3. September 2019

Warum spielen so wichtig ist


Heute wieder nur gespielt? Wenn man diese Frage mit „JA“ beantworten kann, kann man sich auf die Schulter klopfen. Denn das Spiel ist die wichtigste Lernform der Kinder. Dies belegen unzählige Studien und bestätigen renommierte Pädagogen, Psychologen und sogar Hirnforscher.

Oft wird von Eltern leider noch immer unterschätzt, was das kindliche Spiel so alles kann. Nicht um sonst spricht man beim Spielen auch vom Beruf des Kindes.

Was das Spiel alles kann

Im Spiel vollziehen sich grundlegende Lernprozesse. Dabei kommt es zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Umwelt. Spielerisch werden unter anderem neue Wörter erlernt, der mathematisch-logische Bereich lustvoll erkundet und soziale Kompetenz erworben. Kinder merken im Spiel sehr gut, wann sie zwischen Spannung und Entspannung wechseln sollen. Auf ein aufregendes Fangenspielen folgt nicht selten eine ruhige Beschäftigung wie z.B. ein Buch anschauen, etwas Malen oder in Ruhe etwas Bauen. Neben der Tatsache, dass Kinder während des Spielens völlig angstfrei und nicht selten ganz auf die Sache konzentriert sind, erleben sie außerdem Freude und innere Befriedigung. Dabei kann es zu einer Hormonausschüttung kommen, die mit einem rauschähnlichem Zustand zu vergleichen ist. Daher nicht wundern, wenn uns die Kinder während dem intensivem Spiel wirklich nicht hören, wenn wir ihnen zurufen.

(c) iStock

Zweckfreies Spielen

Es gibt verschiedene Spielformen: Funktionsspiele, Bau- und Konstruktionsspiele, Rollenspiele, Motorische Spiele/Bewegungsspiele, Regelspiele/didaktische Spiele. Alle Arten haben etwas gemeinsam. Sie können völlig zweckfrei gespielt werden. Rollenspiele müssen für den Erwachsenen nicht immer Sinn ergeben. Bauwerke müssen nicht immer etwas darstellen. Sie können einfach nur aufgrund der Freude am Bauen entstehen, ohne einen Sinn zu erfüllen. Regelspiele können nach eigenen Regeln gespielt werden. Dann wenn Kinder freiwillig und zweckfrei spielen, sind alle Areale im Gehirn tätig. Somit kann das Kind zum Beispiel beim Lego-Bauen mathematische und sprachliche Kompetenzen, Kreativität und soziale Kompetenzen gleichzeitig erwerben, ohne dass dies später lange geübt werden muss.

Freies Spiel als Schulvorbereitung?

Anbei ein Auszug aus der Liste welche sozial-emotionalen Fähigkeiten alleine durch Spielen gefördert werden können:

  • Toleranz/Rücksicht
  • Regeln verstehen und einhalten
  • Verbal verhandeln können
  • Sensibilität
  • Kooperation
  • Kontaktfähigkeit
  • Emotionen wahrnehmen, deuten, verstehen
  • Rücksichtnahme
  • Sich in andere hineinversetzen
  • Mit Konflikten umgehen lernen
  • Auf persönliche Grenzen achten

All diese Kompetenzen sind eine Vorstufe zum Erwerb schulischer Leistungen und später auch zum Erwerb beruflicher Leistungen. Weiter haben sie einen entscheidenden Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder.

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Wie können Eltern unterstützen?

Das Kind spielt im Grunde von sich aus. Wichtig für uns Erwachsene ist Folgendes zu beachten: Die Spielfreude soll erhalten bleiben durch genügend SpielZEIT, anregendes SpielMATERIAL und ausreichend SpielRAUM. Wir können die Kinder beim Spielen begleiten und uns als Spielpartner anbieten, wenn dies erwünscht ist. Gleichzeitig ist aber auch auf Zurückhaltung zu achten. Wir sollen die Kinder nicht ständig im Spiel unterbrechen, tadeln oder immer noch mehr von ihnen erwarten (noch höheren Turm, Puzzle mit noch mehr Teilen,…). Noch einmal zur Erinnerung: Gerade dann, wenn uns das Spiel völlig zweckfrei, ja schon fast sinnlos erscheint, arbeiten und lernen die Kinder am meisten.

Daher freuen wir uns einfach an den Lernerfahrungen, die unser Kind gemacht hat, wenn es uns das nächste Mal erzählt, dass es im Kindergarten oder bei der Oma den ganzen Vormittag einfach nur gespielt hat.



EIN ARTIKEL VON
  • Bettina Fauler

    Ich lebe mit meinem Partner und unserem Sohn in Tirol. Hauptberuflich bin ich Mama, auch wenn ich Teilzeit als Sonderkindergartenpädagogin, Elternbildnerin und Trainerin arbeite. Ich erlebe einen abwechslungsreichen (Erziehungs-)Alltag, den ich gerne mit anderen teile.


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