13. Mai 2019

Warum ich mich dazu entschieden habe, meine Kinder zu tragen

Warum ich mich dazu entschieden habe meine Kinder zu tragen

Wir Eltern tun es täglich, und trotzdem scheint es eine Wissenschaft zu sein. Jeder trägt sein Kind – egal ob am Arm, in einem Tuch oder einer ergonomischen Tragehilfe.

Sein Kind zu tragen ist in unserer Evolution tief verankert – hätte uns Mama Neandertaler vor vielen tausenden Jahren abgelegt, wären wir zum Mittagessen des Säbelzahntigers geworden. Und trotzdem scheint es, als würde es ein gewisser „Trend“ sein. Dabei ist es doch lediglich eine Erleichterung für alle Eltern, sich Unterstützung beim Tragen zu holen. Wie das oben bereits erwähnte Tragetuch oder der ergonomischen Tragehilfe.

Eigentlich ist dies auch schon der Grund dafür, dass ich mich entschied, meine Kinder mit Unterstützung zu tragen. Nicht nur das unglaublich ausgeprägte Nähe-Bedürfnis meines (neugeborenen) Babys wurde somit gestillt, auch hatte ich beide Hände frei um mich – beim 2. Kind – um das große Geschwisterkind, den Haushalt und viel Weiteres zu kümmern.

Warum also wollen Babys getragen werden?

Für das Baby ist das Tragen so wichtig, weil es von seiner physischen und psychischen Ausstattung her zu den Traglingen zählt. Das Tragen ist für ein Traglingsbaby das, was es erwartet. Neugeborene kommen mit einigen angeborenen Reflexen zur Welt – diese sorgen dafür, dass das Baby z.B. von selbst die Brust findet, sich mit Händen und Füßen „festklammern“ können und nach Mama und Papa weinen kann.

Warum ich mich dazu entschieden habe meine Kinder zu tragen
(c) iStock

Forscher zählen zu diesen Reflexen auch das Kontaktweinen – sobald ich mein neugeborenes Baby ablege, beginnt es zu weinen. Dies kann v.a. für Eltern mit dem ersten Baby sehr anstrengend sein, weil sie oft nicht wissen, warum ihr Baby weint. Da können ein Tuch oder die Tragehilfe die optimale Lösung sein. Durch das Tragen ist das Kontaktbedürfnis des Säuglings befriedigt. Körperkontakt ist ein elementares Grundbedürfnis des Säuglings. Ist dies befriedigt, ist das Baby entspannter und muss sich nicht mehr durch unzählige Versuche, den Kontakt herzustellen, ins Bewusstsein der Erwachsenen bringen.

Jetzt leg‘ doch mal dein Kind ab, du verwöhnst es zu sehr!

Leider ist es oft noch tief in den Köpfen unserer Großeltern und Eltern verankert, wir würden unser Baby zu sehr „verwöhnen“, wenn wir es den ganzen Tag nur herumtragen. Niemals wird es lernen, sich selbst zu beruhigen, geschweige denn sich allein zu beschäftigen. Bald schon wird uns das kleine Balg auf der Nase rumtanzen, wenn wir nicht früh genug damit anfangen, es zu erziehen. Dieser (heute wissenschaftlich bestätigte!) Irrglaube stammt aus den Zeiten des 2. Weltkrieges – das damals allseits bewährte Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, geschrieben von Johanna Haarer, Ärztin und Mitglied der NS-Frauenschaft, im Auftrag Hitlers. Dieses Buch solle dazu dienen, die Kinder zu guten Mitgliedern der HJ zu machen.

Heute wissen wir, dass wir unsere Kinder nicht damit verwöhnen, ihnen Geborgenheit und Liebe zu schenken. Wir verwöhnen unsere Kinder nicht, indem wir sie tragen – egal ob auf dem Arm, einem Tuch und auch nicht, wenn wir sie im Kinderwagen schieben. Jede Mama und jeder Papa gibt täglich sein bestes, auch wenn manch Wertvorstellungen und Ideale anders sind.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Tatjana Kirchweger

    Als Trage & Stoffwindel Beraterin möchte ich euch auf euren Weg als Familie mit Rat und guten Tipps zur Seite stehen. Unsicherheiten und Ammenmärchen machen jungen Eltern das Leben oft nicht so leicht – Ich bin 2 fache Mama und weiß, wo die Hürden im Alltag liegen und es freut mich, auch hier meine Erfahrungen weitergeben zu können.


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