9. Juli 2019

Mehrsprachigkeit: Sprechen muss gefördert werden


Das erste halbe Jahr, im so genannten Vorsilbenalter drückt sich der Säugling in Form von Geschrei aus. Der Grund liegt meistens an Hunger, Müdigkeit oder einer vollen Windel.

Zu Beginn und während des Silbenalters (6-12 Monate) reagiert das Baby schon auf Geräusche, sucht nach der richtigen Schallquelle und fängt an zu brummen, quietschen und gurren. Auch gehörlose Kinder bringen diese Laute hervor. Schritt für Schritt versteht das Baby immer mehr und gibt auch einfache Silben von sich.

Mehrsprachigkeit mit dem passenden Sprechstil unterstützen

Laut Remo Largo eignen sich Kinder in den ersten Lebensjahren drei bis sechs Wörter pro Tag an. Diese unglaubliche Leistung ist nur möglich, weil das Kind eine Anlage zum Spracherwerb mitbringt.

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Eltern, die einen für Babys angepassten Sprechstil erlernen, können damit einen direkten Einfluss auf den Wortschatz ihrer Kinder nehmen. Damit ist jedoch nicht Babysprache aus unsinnigen Wörtern gemeint, sondern eine grammatikalisch korrekte Sprache mit normalen Wörtern, die übertrieben und mit langgezogenen Vokalen gesprochen wird. Sprechen Eltern langsam und deutlich mit ihrem Baby, lernt es mehr Wörter. Eine neue Studie des „Institute for Learning & Brain Sciences“ der Universität in Washington, USA, zeigt: Babys, deren Eltern Anleitungen für eine kindgerechte Sprache erhalten hatten, gaben im Alter von 14 Monaten zu 43% Silbenketten, Lautfolgen und Wörter von sich, während Babys aus der Kontrollgruppe dies nur zu 30% taten.

Dreisprachig aufwachsen?

Viele meinten, dass drei Sprachen für meine Tochter (2,5 Jahre) zu viel seien. Und ich diskutiere mit vielen – bis heute noch. So oft werden die Kinder mit ihrem Auffassungsvermögen unterschätzt, was wirklich schade ist! Da meine Wurzeln in Taiwan liegen, ist meine zweite Muttersprache neben Deutsch die traditionelle Sprache Taiwanesisch. Als Kind begann ich anschließend Mandarin (Chinesisch) zu lernen und lernte nebenbei Englisch, da ein Großteil meiner Familie in den Staaten wohnt. Somit war es für mich von Anfang an klar, dass meine Kinder auf jeden Fall mehrsprachig aufwachsen würden – nur wie?

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Prioritäten setzen

Nach längerem Überlegen und vielen Recherchen zum Thema Mehrsprachigkeit, einigten mein Mann und ich uns darauf, die Kinder auf Deutsch zu erziehen, da hier unsere Priorität liegt. Nebenbei besuchen sie einen bilingualen Kindergarten, wo sie ihre Englischkenntnisse verbessern können. Lieder und Bücher werden jedoch auch meistens zuhause auf Englisch gesungen und gelesen. Meine Eltern kommen mehrmals die Woche zu Besuch, wo sie mit meinen Töchtern nur Chinesisch sprechen. Taiwanesisch und Chinesisch sind übrigens zwei verschiedene Sprachen und haben, sprachlich gesehen, keine Gemeinsamkeiten. Jedoch bin ich der Meinung, dass Taiwanesisch nicht so wichtig sei, da die Bevölkerung um einiges kleiner ist.

Mittlerweile spricht meine Große mit bald 3 Jahren ihre drei Sprachen und versteht nebenbei auch noch Taiwanesisch. (Meine Eltern reden untereinander Taiwanesisch, was meine Tochter natürlich komplett aufsaugt.) Sie ist ein perfekter Beweis, um zu zeigen, dass sich Sprachförderung und Mehrsprachigkeit auf jeden Fall lohnen kann. Denn es erwärmt mir immer wieder das Herz, wenn sie „Bruder Jakob“ auf drei Sprachen vor sich her singt.



EIN ARTIKEL VON
  • Katharina Zauner

    Ich bin zweifache Mädchen-Mama, seit 2015 glücklich verheiratet und lebe seit meiner Geburt in Wien. Meine Wurzeln sind aus der wunderschönen Insel Taiwan in Südostasien, wodurch auch meine Kinder trilingual erzogen werden. Als diplomierte Touristikkauffrau und selbstständige Pädagogin bin ich überzeugt von alternativ-pädagogischen Ansätzen.


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