22. Juni 2018

Der Wert eines Babysitters – Endlich wieder gemeinsam ausgehen können

wert von babysitter - meinefamilie.at

„Wir sind schon mehreren Jahren nicht mehr ausgegangen.“ Wie viele Eltern klagen nicht über eine ähnliche Situation, seit sie Kinder haben. Mehrere Jahre lang haben sie abends ihre Wohnung zumindest gemeinsam nicht mehr verlassen. Muss dies sein?

Kein gemütlicher Abend zu zweit beim Italiener, kein Kinobesuch, keine Party bei Freunden, die eine angenehme Abwechslung zum mühseligen Alltag mit Kindern bieten könnte. Kein romantisches Essen, mit dem man den Hochzeitstag feiert.

„Wir haben keinen Babysitter.“ „Die Oma wohnt zu weit weg und mit jemandem anderen bleibt unser Kind nicht.“ Manchen Eltern fehlt es an den richtigen Betreuungspersonen, manchen einfach an der Zuversicht, dass es mit dem eigenen Kind klappen könnte. Zählt man dann noch die Babysitter-Kosten hinzu, den logistischen Aufwand, mit dem man vor so einem Abend rechnen muss, und die Tatsache, dass man allabendlich sowieso so müde ist, dass einem ein Kinoausflug so anstrengend vorkommt wie eine Gipfelbesteigung, dann geben viele Eltern auf, noch bevor sie überhaupt einen ersten Versuch gestartet haben.

Keine Ausreden gelten lassen

„Als Eltern muss man eben Opfer bringen.“ Oder „irgendwann wird sowieso alles wieder besser.“ Damit vertröstet man sich auf bessere Zeiten und nimmt gleichzeitig aber auch einiges in Kauf. Denn die Zeit, die wir als Eltern hin und wieder zu zweit verbringen, ist eine wertvolle Zeit. In dieser Zeit bekommen Eltern wieder die nötige Distanz zu dem oft sehr beschwerlichen Alltag, sie lässt sie auftanken, sodass sie wieder mit mehr Geduld und Verständnis auf ihre Kinder zugehen können. Der aufgestaute Überdruss, der bei vielen Eltern gegenüber dem mühevollen Alltag mit Kindern zu spüren ist, würde sich auflösen, wenn sie im gemeinsamen Ausgehen keinen Luxus, sondern eine Notwendigkeit sehen würden. In dieser Zeit bekommen Eltern aber auch die Chance, ihre eigene Beziehung wieder in den Vordergrund zu stellen und an manchen gemeinsamen Schwierigkeiten zu arbeiten, die im Alltag so leicht hinter den Kindersorgen zu verstecken sind.

Gemeinsames Ausgehen, ob es zwei Stunden gemeinsamer Sport, der Besuch eines Vortrages oder ein Candlelight Dinner ist – all das gibt Eltern die Gelegenheit, ein Leben jenseits von Windeln, Flascherln und Trotzanfällen zu entwickeln. Eine wichtige Voraussetzung, um auch gut zu erziehen, denn gerade dort, wo eine Mutter oder ein Vater ein eigenes „Erwachsenendasein“ führen, entwickelt sich oft eine viel gesündere und entspanntere Eltern-Kind-Beziehung. Und nicht zuletzt sind diese Zeiten auch unmittelbar für die Kinder wichtig, da sie hier die Chance haben zu lernen, auch mal ohne Mama und Papa, mit einer anderen Bezugsperson, zurecht zu kommen.

Wie geht man das Thema aber nun an, wenn man sich von der Wichtigkeit des Ausgehens zu zweit schon einmal überzeugt hat?

Die Suche nach dem Babysitter

Da im Baby- und Kleinkindalter der richtige Babysitter eine große Vertrauensfrage ist, ist dies der empfindlichste Schritt. Natürlich sind hier Großeltern oder enge Verwandte die erste Wahl. Stehen dieser aber nicht zur Verfügung, sollte man dennoch nicht so schnell aufgeben. Auch zu anderen Personen können Kinder eine liebevolle und herzliche Beziehung aufbauen, die für sie eine große Bereicherung bedeuten. Unsere erste Leihoma hat, nachdem wir schon lange woandershin übersiedelt waren und dadurch Babysitter wechseln mussten, unseren Sohn über Jahre noch einmal jährlich in den Zoo eingeladen, um ihn wiederzusehen. Leihomadienste kontaktieren oder auch über Mundpropaganda im Freundeskreis, in einer Pfarre etc. auf die Suche gehen, kann zwar fürs Erste aufwendig sein, ist aber fast immer mit Erfolg gekrönt, wenn wir nicht zu schnell aufgeben.

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Welcher Babysitter ist geeignet?

Bei der Auswahl eines Babysitters ist es am wichtigsten, dass die Chemie stimmt und dass der Babysitter Kinder gerne hat. Wir als Eltern müssen die Person mögen und volles Vertrauen in sie haben. Das Alter des Babysitters ist ebenso eine Frage des persönlichen Vertrauens. Ein verantwortungsvolles Mädchen kann durchaus bereits ab 15 Jahren mit kleinen Kindern einen Abend alleine bleiben. Hier hängt es natürlich davon ab, wie viel Kinder in Summe zu betreuen sind und wie alt das jüngste Kind ist. Diese Entscheidung ist individuell und situationsabhängig zu treffen. Wir als Eltern müssen dabei das Gefühl haben, dass unser Kind in guten Händen ist.

Die richtige Eingewöhnung

Wenn es sich um das erste Kind handelt oder eine Mutter sich schwertut, ihr Kind einer fremden Betreuungsperson zu überlassen, kann ihr eine schrittweise Eingewöhnung helfen, langsam Vertrauen zu fassen. Man kann den Babysitter als Erstes einladen, auf das Kind an einem Nachmittag aufzupassen, an dem man noch anwesend ist. Die Mutter kann sich irgendeiner Tätigkeit widmen, während der Babysitter mit dem Kind spielt, es wickelt, ihm zu Essen gibt. So kann der Babysitter in Anwesenheit der Mutter den Haushalt und die verschiedenen Abläufe kennenlernen, und die Mutter hat gleichzeitig die Möglichkeit, den Babysitter ein wenig zu beobachten und zu sehen, ob sie gut mit dem Kind zurechtkommt.

Bei einer weiteren Gelegenheit kann der Babysitter ebenfalls tagsüber kommen, wobei die Mutter diesmal das Haus für Erledigungen verlässt. So hat das Kind die Möglichkeit, zu der neuen Bezugsperson Vertrauen zu fassen, bevor es zum ersten Mal in der empfindlichsten Zeit, abends, mit dem Babysitter allein bleibt.

Wenn es dann soweit ist, empfiehlt es sich in der Nähe auszugehen, sodass die Eltern im Notfall unkompliziert nach Hause fahren können. Das wird in den seltensten Fällen notwendig sein, ist aber meist für die Eltern die entspannteste Möglichkeit wegzugehen. Ist das ein paar Mal erfolgreich gelungen, kann man dann durchaus weitere Ziele in Angriff nehmen. Wichtig ist, dass wir Vertrauen in die neue Bezugsperson aufgebaut haben, sodass der Abend ohne Sorge oder schlechtes Gewissen genossen werden kann.

Die richtige Vorbereitung auf ein Abend zu zweit

Handelt es sich um ein Baby oder Kleinkind ist es hilfreich, wenn besonders an dem Tag, an dem wir ausgehen, das Kind seine gewohnten Abläufe hat. Ist die Zeit davor schon einmal chaotisch verlaufen oder hat das Kind an dem Tag schon aufregende Ereignisse hinter sich, kann es vielleicht schwieriger sein, es einer anderen Person zur Betreuung zu überlassen.

Empfehlenswert ist es auch, wenn man dem Kind, sofern es alt genug ist, erklärt, wie der Abend verlaufen wird, und vielleicht ein Spiel oder Buch vorbereitet. Ein kleines Betthupferl, als Trostpflaster dafür, dass Mami und Papi nicht da sein werden, kann durchaus auch über die Veränderung hinweghelfen. Auch das Versprechen, dass man nach dem Heimkommen nochmals in das Kinderzimmer schauen und einen Gutenachtkuss geben wird, kann das Vertrauen stärken, dass Mami und Papi bald wieder da sind.

Wann beginnen?

Meist ist es einfacher, die Kinder dann an einen Babysitter zu gewöhnen, wenn sie noch relativ klein sind, sprich bereits unter einem Jahr. Sie kommen in diesem Alter oft selbstverständlicher mit einer neuen Betreuungsperson zurecht, als wenn sie bereits drei oder vier Jahre alt sind und fest daran gewöhnt sind, dass die Eltern abends immer da sind. In diesem Fall sollten sie bereits abgestillt oder die Stillabstände so groß sein, dass ein Weggehen möglich ist. Fremdel-Phasen sind natürlich kein guter Zeitpunkt, um mit dem ersten Ausgehen zu beginnen. In jedem Fall bestimmt das Empfinden der Eltern, ab wann der richtige Moment gekommen ist, denn schließlich sollen Eltern Freude am Ausgehen haben.

Dennoch ist es aber oft leichter, die Kinder an eine neue Betreuungsperson zu gewöhnen, als wir im ersten Moment vielleicht glauben.

Die meisten Kinder lieben ihre Babysitter und freuen sich auf die Aufmerksamkeit und Abwechslung, die sie mit sich bringen.

Auch die Schwierigkeiten, die Eltern vielleicht regelmäßig mit dem Ins-Bett-Bringen haben, können durchaus mit einer Babysitterin gar nicht erst auftreten, sodass Eltern ins Staunen kommen, wie leicht das eigene Kind in so einem Fall ins Bett geht.

Und was passiert schon, wenn wir unser Kind ausnahmsweise einmal um halb elf Uhr nachts noch glücklich mit der Babysitterin auf dem Boden spielend vorfinden, weil es sich weigerte, ins Bett zu gehen? Nach zwei oder drei Mal wird es gelernt haben, mit dieser neuen Situation umzugehen, und auch der Babysitter wird Übung darin bekommen haben, das Kind auf die richtige Weise ins Bett zu bekommen.

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