29. Juli 2018

Babytreffs: Entlastung im Erziehungsalltag

babytreffs - meinefamilie.at

Networking lautet das Rezept für Erfolg. Das ist bei Eltern auch nicht anders. Nur vielleicht, dass sich beim Eltern-Sein Erfolg durchwegs durch Zufriedenheit bei den Kindern und den Eltern selbst definieren darf und die Leistung im eigentlichen Sinn ruhig mal ausgeklammert werden kann. Die Eltern-Kind-Gruppen in unseren Pfarren machen es vor.

“Ich wollte andere Mütter treffen, die in derselben Situation sind wie ich.“ „Ich wollte nicht den ganzen Tag alleine daheim sitzen.“ „Ich wollte einen Fixpunkt in der Woche für mich und mein Kind.“ Eine kurze Umfrage bei den Mamas hier in der Redaktion brachte eindeutige Ergebnisse: Viele waren mit ihren Babys und Kleinkindern in einer Eltern-Kind-Gruppe in ihrer Pfarre oder einem Eltern-Kind-Zentrum. Und die Gründe, die sie anführen, warum sie sich damals entschieden haben, zu einer Eltern-Kind Gruppe zu gehen, sind meist dieselben. Viele haben zu den Familien, die sie damals kennengelernt haben, immer noch Kontakt. Oft hat sich sogar eine Freundschaft entwickelt – zwischen den Kindern und den Eltern. Wie schön das ist, wenn das eigene Kind von einem Freund strahlend mit den Worten erzählt: „Den kenn ich schon mein ganzes Leben lang.“!

Wohlfühlort für Eltern und Kind

Aber was macht eigentlich eine Eltern-Kind-Gruppe aus? Warum tut sie so vielen Mamas, Papas und Kindern gut? Und wie findet man eine Eltern-Kind-Gruppe für sich und sein Kind? „Eltern-Kind-Gruppen – das sind  regelmäßige Treffen von Eltern oder anderen Bezugspersonen mit ihren Kindern in den ersten vier Lebensjahren, die von ausgebildeten Eltern-Kind-Gruppenleiterinnen und -leitern geführt werden“, sagt Katja Ratheiser, Fachfrau zum Thema Elternbildung im Katholischen Bildungswerk Wien.  Zumeist treffen sich Familien aus einer Wohnregion. Es gibt fixe Rituale für die Begrüßung, (meist) die Jause und den Abschluss der Treffen. Dazwischen werden Fingerspiele, Bewegungsspiele und je nach Alter Interessantes zum Erforschen und Experimentieren angeboten. Gleichzeitig gibt es für die Eltern die Gelegenheit zum Austausch über Themen, die sie gerade beschäftigen.

Vernetzung, Information, Entlastung

Eine Art Schule also für Eltern und Kinder? „Die Gruppen sind keine Schule für Eltern und auch nicht für Kinder“, sagt dazu Katja Ratheiser: „Im Vordergrund steht der Austausch über Themen, die alle betreffen, die sich in derselben Familienphase befinden: ,Wann hat euer Kind die ersten Schritte gemacht?‘ ,Wacht euer Kind auch so oft in der Nacht auf?‘ ,Wann habt Ihr mit Beikost angefangen?‘ ,Was sagt ihr zu diesem Spielzeug?‘.“

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Spaß, Spiel und Information

babytreffs - meinefamilie.atEs geht um Spiel, Spaß und Information und nicht darum, eine bestimmte Leistung abzuliefern oder zu fordern. Eltern-Kind-Gruppen ermöglichen eine ganz besondere Art der Förderung für Eltern und Kinder. Das Angebot und das Tempo des Programms wird mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl auf die Teilnehmenden abgestimmt. Die immer wiederkehrenden Abläufe und der Vorteil, dass eine enge Bezugsperson immer dabei ist, geben den Kindern Orientierung und Sicherheit und helfen ihnen, sich in einer zunächst unbekannten Umgebung und ungewohnten Situation zurecht zu finden. „Im Grunde geht es um das Miteinander von Eltern und Kindern, Kindern und Kindern, sowie Eltern und Eltern“, erklärt Katja Ratheiser. Beim gemeinsamen Spielen, Bewegen, Singen und Basteln können Erwachsene den Alltag draußen lassen und sich voll auf die Kinder einlassen. Während diese sich dann miteinander beschäftigen, ist Platz für direkt an die Lebenssituation anknüpfende Gespräche unter den Eltern. „Das bringt Vernetzung, Information und Entlastung im Erziehungsalltag. Der Informationsaustausch betrifft überwiegend den Alltag mit einem Kleinkind, besondere Erlebnisse, neue Entwicklungsschritte, Zweifel oder Ängste.“

Wer eine Eltern-Kind-Gruppe in seiner Nähe sucht, findet auf der Homepage des Katholischen Bildungswerks
(online unter: www.bildungswerk.at) eine Liste aller aktuellen Gruppen. Oder Sie fragen in einer Pfarrer in Ihrer Nähe einfach einmal nach, ob es eine Eltern-Kind-Gruppe gibt.

Ausbildung zum Gruppenleiter

Ab September 2018 startet das Katholische Bildungswerk der Erzdiözese Wien wieder einen Lehrgang zur Ausbildung zum Eltern-Kind-Gruppenleiter. „Die Kernthemen des Ausbildungslehrgangs sind Entwicklungspsychologie, Spielpädagogik, Kommunikation, Leitungskompetenz; später auch Persönlichkeitsbildung, Praxis und Erste Hilfe“, sagt Katja Ratheiser: „Bei unserem Lehrgang lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Gruppe kompetent und sicher zu leiten, Gruppenstunden spannend und abwechslungsreich für Kinder und Eltern zu gestalten und Elterngespräche zu führen.“ Die Ausbildung ist religionsunabhängig und findet parallel in Wien und Grimmenstein statt. Teilnehmen können Frauen und Männer, Mütter und Väter, oder Großeltern, die gerne und gut mit Erwachsenen und Kindern umgehen, die gerne eine Gruppe leiten und mindestens 21 Jahre alt sind. Erstmals wird es ein Basismodul an fünf Samstagen geben, „das auch zum Hineinschnuppern dient“, so Katja Ratheiser: „Danach folgt das Aufbaumodul an sieben weiteren Samstagen, das aller Voraussicht nach mit dem Gütesiegel des Ministeriums abgeschlossen werden soll.“

Keine „Rezepte“

„Die spezielle Herausforderung, auf die alle zukünftigen Eltern-Kind-Gruppenleiter bei diesem Lehrgang gut vorbereitet werden, ist bestimmt das Kommunikationsdreieck Eltern–Kinder –Gruppenleitung“, sagt Katja Ratheiser: „Während Pädagogen vor allem die Kinder als Gegenüber haben und Elternbildner vor allem die Erwachsenen, gilt es in Eltern-Kind-Gruppen, allen gleichzeitig gerecht zu werden und die Bedürfnisse aller wahrzunehmen.“ Daher brauche es auch eigens dafür ausgebildete Fachkräfte. „Die Leiterin steckt den methodischen Rahmen für die Treffen und entwickelt eine Struktur für den Ablauf“, so Katja Ratheiser: „Sie greift Gesprächsthemen auf, die sich in der Gruppe ergeben und moderiert den Austausch der Eltern, ohne dabei ,Rezepte‘ zu geben.“ Nebenbei bemerkt: Auch wer ganz frisch in das Thema Eltern-Kind-Gruppe einsteigen möchte, oder einfach fundiertes Wissen in diesen Bereichen erwerben will, ist beim Lehrgang herzlich willkommen.

  • Ausbildungslehrgang Leiten und Begleiten von Eltern-Kind-Gruppen (im September).
  • Anmeldung: ab sofort bis Ende August.
  • Information zu Ablauf und Kosten:
    Katholisches Bildungswerk Wien, Email: anmeldung@bildungswerk.at, Tel: 0676-4919482, elternbildung.bildungswerk.at
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EIN ARTIKEL VON
  • Andrea Harringer

    „Meine Mami schreibt das auf, was ihr andere Leute erzählen.“ Das sagte mein Sohn, als man ihn fragte, was seine Mama beruflich mache. Seit 2001 bin ich Redakteurin in der Erzdiözese Wien, schreibe für den „Sonntag“ und versuche, Themen wie Familie, Kinder und Erziehung auch aus einem christlichen Blickwinkel zu beleuchten.


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